Rakow, Reinhard: Sonnenklirren

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Reinhard Rakow
Sonnenklirren
Novelle
Mit einem Nachwort von Jürgen Thöming
Geest-Verlag 2010
ISBN 978-3-86685-251-8
190 S., 11 Euro

Eine Single-Karrierefrau vor der Lebenswende, gescheitert bei dem Versuch, sich einem jungen Mann zuzuwenden, empfängt ein Kind, um der gefürchteten Vereinsamung zu entgehen. Doch das Kind, das sie zur Welt bringt, nimmt sie nicht wahr, denn es ist geistig behindert. Reinhard Rakows Novelle “Sonnenklirren” zeichnet den Konflikt der Frau und dessen Entstehung einfühlsam, respektvoll und doch mit sezierender psychologischer Schärfe aus ihrer Sicht: ihr Bemühen, alles zu steuern, entsteht aus der Situation der Isolation heraus, vollzieht sich in ihr und mündet — wahrscheinlich, das Ende bleibt offen — wieder in ihr.
“Der Sommer, überaltert, war gegangen”: Die Bilder des ersten Kapitels spiegeln die folgende Handlung wider und bereiten ihr zugleich das Tableau. “Es ist still”, dieser Satz, der das erste Kapitel beschließt und zum letzten überleitet, wird das zentrale Thema sein. Eingebettet in einen Sog üppiger Sprache und eindringlicher Bilder, besticht die Erzählung auch durch ihre stringente Komposition.
Der Dresdner Literaturwissenschaftler Jürgen Thöming, Begründer und langjähriger Leiter des Musil-Forums, schreibt in seinem Nachwort: “Hälfte des Lebens“, und was dann? Im Winde klirren nämlich die Fahnen. Nichts Geringeres wird in diesem sprachmächtigen und musikverliebten Kurzroman verhandelt. (…) Dabei hat das Liebesbegehren der ‚Heldin’ bei einem viel jüngeren Mann keinerlei Chancen. Sie erregt unser Mitleid. Sie ist liebesunfähig, möchte aber gleichwohl ein Kind: Einsamkeitsschutz für die zweite Hälfte des Lebens. Sie gebiert ein Einbahnstraßenkind und zieht uns – gegen unseren festen Willen – in ihre Mordgelüste hinein. Die Geschichte aus dem Alltag einer Bildungselite, rasant und sprachintensiv, hart zupackend und zart poetisch erzählt, zugleich raffiniert komponiert, hebt immer wieder ab in parabolische Sphären, wie zuletzt Albert Camus vor 50 Jahren so etwas gekonnt hat.”
Reinhard Rakow lebt in Berne/Wesermarsch. Geboren 1952 im hessischen Gelnhausen, Abitur am dortigen Grimmelshausen-Gymnasium, Studium Rechtswissenschaften und Psychologie in Frankfurt und Bielefeld. Der Autor von Lyrik, Erzählungen, Essays u.a., arbeitet z.Zt. an dem Roman “LebensWert”. Mit Literatur, aber auch mit Malerei und Musik befasst Rakow sich zudem in Feuilletonbeiträgen und als Begründer und Organisator von Veranstaltungsreihen wie “Edewechter Kunsttage”, “Süddorfer E-Musik”, “Mnemosyne” oder zuletzt den “Berner Bücherwochen”. Gedichte und Prosatexte wurden vertont u.a. von den Komponisten Günter Berger (2003) und Violeta Dinescu (2004). Veröffentlichungen: „Malerei und Texte“, „lhasa es pocht scharlachrot“ (Gedichte), sowie wiederholt Beiträge in „ndl“ („Neue deutsche Literatur“, Berlin) und “dO!Pen” (Dortmund), sowie in verschiedenen Anthologien. Seine Texte präsentiert Rakow dem Publikum auch in Konzertlesungen wie “Über Kreuz”, “Splitter”, “Wege”, sowie in der Lesungsreihe “OHR:ZEIT”.