Dietmar Linke liest aus Bedrohter Alltag im Stadtmuseum Cottbus

Dietmar Linke liest aus Bedrohter Alltag im Stadtmuseum Cottbus

26. Mai: 15 Uhr ERZÄHLKAFFEE, Stadtmuseum Cottbus, Bahnhofstraße.52, 03046 Cottbus

30. Mai: 18 Uhr Stadt - Bibliothek Frankfurt/O., Bischofstr. 17, Frankfurt/O.

21. Juni: 19. 30 bis 21 Uhr im Theol. Gesprächskreis der Philipp–Melanchthon-  Kirche Neukölln, Kranoldstr. 16, 12051 Berlin

22. Juni: 19 Uhr Bibliothek Wilhelmsruh,. Hertzstr. 61, 13158 Berlin

26. Juni: 20 Uhr Kirchengemeinde Hermsdorf, Büchercafé, Wachsmuthstr. 25, 13467 Berlin      

18. August: 19 Uhr Kirche in Lychen

5. Oktober: 19 Uhr Ev. Kirchengemeinde Fürstenwerder, Ernst-Thälmann-Str. 37, 17291 Fürstenwerder

08. November: 19.30 Uhr Kirchengemeinde St. Nicolai, Lüner Str. 15, 21335 Lüneburg

 

Dietmar Linke
Bedrohter Alltag
Als Pfarrer im Fokus
des MfS
Vorwort von
Karl Wilhelm Fricke
Geest-Verlag 2015
ISBN 978-3-86685-512-0
ca. 480 S., 16.80 Euro

Die Nachrichten der letzten Jahre und Monate über das Bespitzeln von Bür­gern per Telefon und Internet durch aus- und inländische Geheimdienste stellt für ein solches Buch einen nicht zu übersehenden aktuellen Bezug dar. Ein Pfarrer, der in der DDR sein Amt nicht nur „verwalten“, sondern den Freiraum Kirche im real-existierenden Sozialismus erlebbar machen wollte, geriet rasch in den Fokus des MfS (Ministerium für Staatssicherheit). Für einen offenen Dialog gab es außer­halb der Kirche kaum einen Raum.

In einem Gespräch mit Jürgen Fuchs, im Buch dokumentiert, sagt dieser zum Ehepaar Linke: „Ich finde euch in keiner Weise defensiv. Ich empfinde euch als realistisch, mutig, energisch. Ich empfinde euch solidarisch gegen­über anderen und euch selbst. Ich wollte nur andeuten, dass es sowieso keine Möglichkeit gibt, die Taten von Wiegand und anderen rückgängig zu machen, ob sie nun verstehen, was ihr für richtig haltet, oder ob sie bereuen, das ist fast eine untergeordnete Frage. Sondern dass es bei Men­schen­rechtsverletzungen und Ver­brechen dieser Art und auch dem, was man selber erlebt hat und an­dere erlebt haben, nur das produ­ktive Dagegen gibt, human natür­lich, aber das produktive Dagegen. Das drückt ihr für mich aus. Ich empfinde die Gesellschaft ins­gesamt als defensiv. Sich vorzu­stellen, Wiederholungen und Ausdeh­nung von solchen Ge­scheh­nissen [...] Umso wichtiger ist das, was ihr tut.“

So ist man geneigt, bei Dietmar Lin­kes ‚Bedrohter Alltag' mit Brecht von einer Beispielgeschichte zu spre­chen, die weit über den dokumen­tarischen Charakter hinaus die sys­te­matischen Zerstörungsversuche des MfS gegen einen Aufmüpfigen zeigt. Linke war von 1971 bis 1983 Pfarrer in verschiedenen Gemeinden in der DDR, arbeitete im Rahmen seiner Tätigkeit gemeinsam mit seiner Frau mit kritischen Schrift­stellern der DDR zu­sammen, war Mitbegründer der ‚Friedenswerk­statt' in Ostberlin.

„Was ihr berichtet, beschreibt, erlebt, bekämpft und durchgestanden habt“, so schreibt Jürgen Fuchs, „betrifft viele, wenige, die es so weit betreiben wie ihr. Wenige, die es reflektieren. Wenige, die es auf den Punkt bringen. Aber es ist doch fast ein Massenphänomen. Die Wahr­scheinlichkeit, dass es zukünftig auftritt, so und anders, ist relativ hoch.“

Ein Buch, das wie kaum ein zweites das beschreibt, wessen man die DDR anklagen muss. Sie hat einen Staats­terrorismus errichtet, der sich auch dann noch gegen die Bürger richtete, die das Land erzwungenermaßen ver­lassen hatten. So wurde auch das Ehepaar Linke nach ihrer Ausbür­gerung nach Westberlin weiterhin über­wacht und stand im Fokus staatlicher Dienststellen der DDR.
Ein aufregendes und ein aufklärendes Buch, das angesichts sich ver­stärkender, ver­harmlosender Ostal­gien ein unbedingtes Muss ist, das die Systematik von staatlichem Terror und Zerstörung zeigt.

Aus dem Vorwort
von Karl Wilhelm Fricke

Das  Buch  ist nicht nur von biogra­fischem Interesse. Es ist auch und nicht zuletzt ein Zeugnis christlicher Selbstbehauptung und Opposition und damit ein belangvoller Beitrag zur Aufarbeitung der DDR-Ver­-gan­genheit. Dietmar Linke war Zeitzeuge speziell der ersten Jahre nach dem Machtwechsel von Walter Ulbricht zu Erich Honecker, der mit mancher Hoffnung auf inneren Wandel der DDR verbunden war.  Erst die dramatische Selbstverbrennung des Pfarrers Oskar Brüsewitz am 18. August 1976 auf dem Marktplatz in Zeitz, ein verzweifelter Protest gegen die Unter­drückung der Kirche, warf ein grelles Schlaglicht auf die  Wirk­lichkeit im Staat-Kirche-Verhältnis der DDR.
Daran zu erinnern, ist in einer Zeit nos­talgischer Verklärung und postdik­tatorischer Schönfärberei sinnvoll und notwendig. Darin besteht das Ver­dienst des Autors. Seinem Buch ist eine breite Leserschaft zu wünschen. Namentlich Pastoren und Pädagogen der jüngeren Generation sollten sich für die Lektüre interessieren.

Dietmar Linke
1944 in Breslau geboren. Theologie­studium an der Humboldt-Universität Berlin. 1971 bis 1978 Pfarrer in Meins-dorf/ Kreis Jüterbog. 1978 bis 1983 Pfarrer in Neuenhagen b. Berlin.
In dieser Zeit Zusammenarbeit mit kritischen Schriftstellern der DDR.
Mitbegründer der »Friedenswerkstatt« in Ostberlin. Im Dezember 1983 Ausbürgerung nach Westberlin.
Referent beim Gesamtdeutschen Institut.
1987 bis 1997 Pfarrer an der Kapernaum - Kirche in Berlin-Wedding.
Tätig als Publizist und Autor.

 

veranstaltungsdatum: 

26. Mai 2018

Lesungen: 

26.05.18
Jenny Schon liest in der Langen Buchnacht in Berlin in Schmitz Katze aus 'halbstark'
26.05.18
Bernhard Behrendsen liest aus "Louisah" Safe Harbor im Hafenimbiss 'Lipper Allerlei' 26.05.18
Marianne Brentzel liest aus '1968-Bilanz eines Aufbruchs' in Dortmund - Kultur im Wohnzimmer

Marianne Brentzel liest aus '1968-Bilanz eines Aufbruchs' in Dortmund - Kultur im Wohnzimmer


 

 

Dortmund, den 26.05. 19 Uhr
Ort: Kultur im Wohnzimmer
Couch-Kunst
Büchtersweg 19
44149 Dortmund
Tel: 0231 - 656264
Anmeldung erwünscht.Es gibt köstliche Verpflegung.
Bitte Spende nicht weniger als 15€

Berlin. 8. September 19 Uhr
Primobuch

Judith Moser
Herderstr. 24
12163 Berlin

Telefon: 030 – 70 17 87 15

Marianne Brentzel (Hrsg.)

1968 - Bilanz eines Aufbruchs"

Coverbild von Oliver Brentzel

Geest-Verlag 2018

ISBN 978-3-86685-669-1

328 S., 12,50 Euro

 

Marianne Brentzel

„Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden.“ Kierkegaard

2018 jährt sich das berühmte (und berüchtigte) Jahr 1968 zum 50. Mal.

Es steht in der Geschichte der Bundesrepublik für das Ende der Nachkriegszeit, für demokratischen Wandel, für den Bruch des Schweigens über die Verbrechen der Nazizeit, aber auch für den Beginn des Terrors von RAF und anderen Gruppierungen.

Marianne Brentzel hat aus diesem Anlass Menschen ihrer Generation befragt, welche Bilanz sie heute ziehen und was das Jahr und die Zeit für ihr Leben bedeutet. Es ging ihr nicht um Prominenz sondern um Vielfalt.

Es beteiligen sich Menschen, die damals Lehrlinge oder junge Arbeiter waren, die mitten im Studium standen, die aktiv in der Studentenbewegung waren oder sich eher als Mitläufer der Zeit betrachten.

Allen ist gemeinsam, dass sie die Zeit um das Jahr 68 für bedeutsam und unwiederbringlich halten und deshalb gern der Aufforderung gefolgt sind, sich an dem Projekt zu beteiligen.

Marianne Brentzel
Einleitung
Der Fragebogen –
die Grundlage der Beiträge

Anonyma, Jahrgang 1939
Kraft und Mut für ein anderes Leben


BBB, Jahrgang 1936
So bin ich frei und offen geworden


Rutger Booß, Jahrgang 1944
Mein Leben ist von diesen Jahren geprägt


Moritz Bühler, Jahrgang 1945
Froh darüber, dabei gewesen zu sein


Yves Bündorf, Jahrgang 1949
Mein Interesse galt immer den Schwachen
in unserer Gesellschaft


Alfred Büngen, Jahrgang 1954
Rebell geblieben


Christian Burda, Jahrgang 1949
Bis heute engagiere ich mich


Karin Derichs-Kunstmann, Jahrgang 1946
‘67?, ‘68? Es fing vorher schon an
Impressionen zu den politischen und persönlichen Entwicklungen in den 1960er-Jahren


Wilfried Kunstmann, Jahrgang 1949
Marl 1968: Die Revolte in der Provinz


Willi Dettmer, Jahrgang 1951
Ohne ‘68 wäre alles in alten Bahnen verlaufen

Gretchen Dutschke, Jahrgang 1942
‘68 ist Aufruf auch für heutige Veränderungen


Ursula Gattinger, Jahrgang 1948
Ich hätte mir gewünscht, dass die Empörung über gesellschaftliche Zu- und Missstände
größer gewesen wäre


Willi Gryczan-Wiese, Jahrgang 1949
Vorwärts und rückwärts gelebt? Eigentlich
bin ich ein 69er …


Klaus Harbig, Jahrgang 1941
Reales humanes Engagement entwickeln


Barbara Henke, Jahrgang 1941
Keine volle Konfrontation, vielmehr junge
Menschen zu Kritik und Verantwortung
erziehen


Michael Hermesmeyer, Jahrgang 1946
Die antiautoritäre Bewegung war durchaus
in sich autoritär


Brigitte Hohberg, Jahrgang 1949
Es war eine Art von Befreiung


Roswitha Iasevoli, Jahrgang 1942
1968 gab den Anstoß zu mir selbst


Gisela und Horst-Dieter Koch, Jahrgang 1947
Unterschiedliche Wege – doch mit
gemeinsamem Ziel


Ulfert Krahé, Jahrgang 1943
Von der Orientierung an Vorbildern zu selbstständigem Denken und Handeln


Hans-Peter Krüger, Jahrgang 1956
Zwergenaufstand

Bernd Leimann, Jahrgang 1946
Nichts mehr als eine kulturelle Modernisierung


Günter Rückert, Jahrgang 1952
Mit Kunst das Bewusstsein der Menschen
verändern


Anna Maria Sachau, Jahrgang 1946
Ich empöre mich


Bodo Stöcklein, Jahrgang 1954
Das politische Leben dieser Jahre hat mein
weiteres Leben geprägt


Peter Sturm, Jahrgang 1950
1968 prägte mich weitaus mehr als die
familiäre Sozialisation


Christine Weber-Herfort, Jahrgang 1943
Kämpfen macht schlau


Weiblich, Jahrgang 1948
Und vor allem haben wir uns selbst verändert!


Ursula Wendler, Jahrgang 1952
Vom individuellen Widerstand zur sozialen
Revolte – endlich war ich nicht mehr allein!


Dagmar Yu-Dembski, Jahrgang1943
Manchmal singen wir noch die alten Lieder

 

veranstaltungsdatum: 

26. Mai 2018

Lesungen: 

26.05.18
Im Rahmen der Langen Buchnacht in Berlin liest Heike Avsar aus '„Der tiefe Fall des Herrn P. oder die Würde des Menschen“ im Ad 96 Café Kotti /Adalbertstraße

Im Rahmen der Langen Buchnacht in Berlin liest Heike Avsar aus '„Der tiefe Fall des Herrn P. oder die Würde des Menschen“ im Ad 96 Café Kotti /Adalbertstraße

 

19:30 Uhr
Ad 96 Café Kotti



Heike Avsar: „Der tiefe Fall des Herrn P. oder die Würde des Menschen“

 
Ein gesellschaftskritischer Roman über das Leben in Obdachlosigkeit, Armut und Ausgrenzung.
 
Herr P., einst erfolgreicher Geschäftsmann, verliert durch einen Schicksalsschlag Familie und Lebensinhalt. Von Schuldgefühlen gequält und obdachlos, lebt er von nun an als Einzelgänger am Rande der Gesellschaft. Von der Sinnlosigkeit des Daseins überzeugt, hält er wegen seines treuen Hundes am Leben fest - für ihn nimmt er den täglichen Kampf ums schwierige Überleben, der überwiegenden Verachtung und dem Wegschauen einer Überflussgesellschaft in der Großstadt, in Kauf. Als er eines Tages im angrenzenden Cafè einer Notunterkunft auf andere Obdachlose, einen wohnungslosen Professor für Philosophie und die als Aushilfskraft arbeitende, warmherzige Conny trifft, muss auch Herr P. erkennen, dass jeder von ihnen sein Schicksal hat, mit dem er sich unterschiedlich auseinandersetzt. 
 

Ort und Veranstalter:


Café Kotti

Zugang Außengalerie 1. Stock

Adalbertstraße 96, Berlin

 

veranstaltungsdatum: 

26. Mai 2018

News: 

26.05.18