Die Schmargendorfer Autorin Jenny Schon liest im Nachbarschafts-Treff Schmargendorf

Lesung im Nachbarschafts-Treff Schmargendorf:
Dienstag, 4.11.2008, 18 Uhr
Sylter Str. 12/Zoppoter Str.
Telefon 723 80 880
Bushaltestelle 249, 186, Zoppoter Str.

Die Schmargendorfer Autorin Jenny Schon liest aus ihrem Roman:
Der Graben
ISBN  3-89793-112-5

Jenny Schon läßt ihre Romanheldin Beata Pütz die Stätten ihrer Kindheit im Norden Böhmens aufsuchen. Mit einer Szene des Eintreffens in Prag beginnt in wunderbarer Anschaulichkeit das erste Kapitel ihres Romans „Der Graben“.
Das inhaltlich anspruchsvolle und trotzdem leicht lesbare Buch erscheint ein Jahr nach der EU-Erweiterung und gehört in diese Gegenwart. Denn das Zusammenleben mit den Tschechen in Mitteleuropa währte einerseits über tausend Jahre und war erst im zwanzigsten Jahrhundert ernsthaft gefährdet. Dennoch ist aber andererseits die Nachbarschaft noch immer überschattet von einer Vergangenheit, deren Aufarbeitung Mühe und Anstrengung kostet.
Nach einem lebhaften Anfang ihrer Erzählung hält Beata Pütz inne: „Soll das alles mit mir zusammenhängen? Beginnt sich meine Sprache und Wahrnehmung zu verändern in einem anderen Ich? Ich will doch mich finden, nicht das Andere in mir. Das Andere sind Ahnen, die ich gar nicht kenne. Als Kind träumte ich in einer anderen Sprache. Jetzt weiß ich, es war Tschechisch.“ Und nach einer kleinen Unterbrechung fährt sie fort: „Je tiefer mein Spaziergang in die Vergangenheit führt, um so mehr verfliegen die Staubpartikel, die den Weg unkenntlich gemacht haben...“ Die Rede ist von einem Staub „in Hirngassen, die seit Menschengedenken nicht mehr befahren wurden“.
Die Romanautorin sucht spürbar einen Weg, die seelischen Beschädigungen durch die wilden Vertreibungen und ihre Nachgeschichte konsequent aus der Sicht der erzählten Ich-Figur ohne vorweggenommene Bewertungen zu entwickeln. Sie hat nicht im geringsten den Vorsatz, zu verurteilen oder auch nur zu moralisieren.
(Aus der Rezension von Dr. Horst Schulze, Kent/Berlin)

Gerade heute, wo die Kriegskinder (1930-1945 Geborene) in Rente sind oder kommen, haben sie das Bedürfnis über diesen Teil ihrer Vergangenheit nachzudenken und endlich Trauer zuzulassen.
Jenny Schon wurde spättraumatisiert, als sie ihre Geburtsheimat nach der Wende aufsuchte. Ihre Verletzungen hat sie in dem Gedichtband Böhmische/Ceska Polka, der in Deutsch und Tschechisch vorliegt, lyrisch umgesetzt.
Mit einigen Gedichten wird Jenny Schon die Lesung untermalen.

Wir würden uns freuen, Sie zu diesem besinnlichen Novemberabend begrüßen zu dürfen.
Um Anmeldung wird gebeten.
Der Eintritt kostet 3 Euro.

veranstaltungsdatum: 

4. November 2008

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