In der lektoralen Arbeit: Irmgard Lauff Wenn man aufhören könnte, zu suchen


 


Irmgard Lauff

Wenn man aufhören könnte, zu suchen

Geest-Verlag 2020

Vater hat mir Fragen hinterlassen, die Fragen, wie der Mensch in der Angst zum gefügigen Untertan und Teufel werden kann. Wie er sich in die Ketten der Räder einspannen lässt, um Armut und Schande zu entkommen. Nur dem eigenen Profit nachrennend, seine Menschlichkeit und Urteilskraft verlierend, überlebt er als Krüppel, auf seinen Stock gestützt, den schweren Leib über die Erde stoßend und mit aller Kraft gegen das Erkennen des Bösen kämpfend, an dem er - wie doch fast alle -, was es nicht besser macht, beteiligt war. Mit der Flucht vor seinem Kind, hat er mich in die Geschichte geschickt zu den geschundenen, gedemütigten Toten und Überlebenden, vor denen er in Wirklichkeit davon rennen wollte, aber seine Beine und sein schwerer Körper streikten, sein krankes Herz ließen ihn zum Gefangenen seiner Schmerzen werden für den Rest seiner Zeit.

Er ging weg.
Das war sein Weg.

Und ein paar Mal haben sich unsere Wege gekreuzt.