Jugendliche Autorinnen der Essener Anthologie lasen am 14. März in Münster

 

Lesung junger Stimmen
Wie bist du zum Schreiben gekommen? Wie gehst du vor, wenn du schreibst? Was bedeutet dir das Schreiben? Das waren einige der Fragen, die die Zuhörenden den Jugendlichen stellten. Der Raum im B-Side in Münster am 14. März 2026 war voll besetzt. Sogar weitere Stühle mussten noch gestellt werden, so groß war der Andrang. Die Gemeinnützige Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender e. V. hatte geladen. Sie wollte die Essener Anthologien vorstellen und Jugendliche zu Wort kommen lassen, die dort ihre literarischen Texte veröffentlicht haben. Sie sollten Einblick geben in ihr Erleben von Sich-zu-Hause-fühlen, Ankommen und Angekommen sein, Diskriminierung und Rassismus, Flucht, Verständnis und Verständigung. 
Und in der Tat: Die Jugendlichen kamen zu Wort. Filiz-Ela Er, Meltem Sak, Tala Hamza, Ecrin Baran, Irem Yilmaz und Sumeja Durak stellten sich der Herausforderung und präsentierten, was sie in den vergangenen beiden Jahren zu den Themen geschrieben hatten. Sie spannten einen Bogen von "Zwischen meinen Stühlen" zu "Mein Heute und Morgen an der Ruhr". Filiz-Ela Er etwa las vom Leben zwischen den Büchern und dem realen Leben und Meltem Sak davon, wie es ist, als Enkeltochter eines türkischen Gastarbeiters in Deutschland zu leben. Tala Hamza wiederum erinnerte auf bewegende Weise daran, dass auf dem Mittelmeer auch weiterhin Menschen sterben, die vor Krieg und Verfolgung fliehen. Wir können unserer Verantwortung nicht entkommen. Ecrin Baran fragte anschließend nach der  Bedeutung von Freundschaft im Leben, und zwar von echter Freundschaft, wie sie für alle Menschen wichtig ist. İrem Yilmaz rückte dann das Thema in den Mittelpunkt, ob man sich zwischen der eigenen Herkunftskultur und der in Deutschland entscheiden muss. Sie verneinte dies und stellte sich damit gegen so manche Forderung in der deutschen Öffentlichkeit. Sumeja Durak schließlich schloss den Lesereigen ab mit einer Geschichte, die viele Migrantenfamilien aus eigener Erfahrung kennen. Man fährt im Sommer nicht irgendwohin in den Urlaub, sonden in die Heimat der Eltern und Großeltern. Wo ist man nun wirklich zu Hause?
Es waren bewegende Texte, die von ihrer Authentizität lebten. Das wirkte nach und klang weiter. Das zeigten die vielen Gespräche nach der Veranstaltung und die lebhaften Bücherkäufe.  
Ein großes Dankeschön an Saskia Zeh und die Gemeinnützige Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender e. V., die diesen Abend organisiert haben!
artur nickel  
 
Das Foto stammt von Sumeja Durak. Auf ihm sind von links nach rechts Saskia Zeh zu sehen, Sumeja Durak, Ecrin Baran und Artur Nickel (Herausgeber der Essener Anthologien)