Leonie Halter - Graffiti

Leonie Halter (Vallendar)

Graffiti

 

Und da steh ich nun

hinter der Mauer,

mit Graffiti vollgesprüht,

wo die Farbe wie Blumen

auf dem grauen Stein erblüht.

Und denke, so will ich sein:

Ein schrilles Leuchten

auf dem tristen Stein,

der nun heraussticht, besonders ist,

man schnell vergisst,

dass er früher nur ein Stein war

wie jeder andere auch,

bevor jemand kam und

ihm einen Hauch

von Leben schenkte,

die Aufmerksamkeit auf

etwas anderes lenkte

als dieses nichtssagende Grau.

Dieser Stein erzählt nun eine Geschichte,

ob bei Nacht oder im Tageslichte.

Er ist nun ganz eigen und speziell,

dabei war das Besprühen doch so schnell

erledigt, es war so leicht,

eine Hand zum Sprühen hat gereicht,

um aus ihm ein Kunstwerk zu machen.

Nun bringt er die Menschen

vielleicht zum Lachen,

Nachdenken oder Kopfschütteln,

es ist egal.

Interessanter als der graue Stein

ist er nun allemal.

Vielleicht empfinden ihn nun

einige nicht mehr als schön,

finden, Grau ist besser anzuseh‘n,

finden ihn nun ordinär,

hässlich, vielleicht auch vulgär,

finden, er provoziert zu sehr.

Doch das ist nicht weiter schlimm.

Er ist das, was ich

vielleicht irgendwann mal bin.

Denn ich will genau das sein:

Graffiti auf dem grauen Stein.