Neues Buchprojekt mit der Oberschule Emstek
Heinrich erzählt von der HJ und anderen Sachen
Ein Schreib und Buchprojekt der neunten Klassen der Realschule Emstek in Zusammenarbeit mit dem Geest-Verlag zum Thema Nationalsozialismus.
Zielsetzung und Verlauf des Projekts
Jugendliche in diesem Alter fühlen sich aus verschiedensten Gründen häufig wenig von der Thematik des Nationalsozialismus betroffen. Die Ursachen dafür sind vielfältig, sollen hier auf zwei wesentliche Gründe reduziert werden:
a) die Thematik wird als historisches Unterrichtsthema wahrgenommen, ähnlich interessant/uninteressant wie die alten Germanen oder das Mittelalter. Ein aktueller Transfer wird durch die Vermittlung des Themas nicht geschaffen oder nicht herbeigeführt.
b) Es findet eine Überfrachtung des Angebots statt (thematische Aufbereitung in den verschiedensten Fächern) auf einer ethisch-moralischen Grundlage. Das bedeutet die Schüler wissen von vornherein, dass sie sich für das Gute (die Opfer) gegen das Böse (die Nazis) entscheiden müssen. Dabei bleibt zum einen offen, warum sie eine solche Entscheidung treffen sollen und zudem verkennt dies die Tatsache, dass es keine Schwarz/Weiß-Aufarbeitung gibt (also Täter/Opfer), vielmehr eigentlich vieles eine Grauschattierung hatte. Das bedeutet, alle Menschen waren in verschiedener Intensität in den nationalsozialistischen Staat verstrickt, ohne aktive Täter zu sein. Damit ist nicht mehr die Schuldfrage gestellt, vielmehr die Frage, warum eigentlich alle Menschen in einen solchen Staat eingebunden werden konnten, welche Faktoren dabei eine Rolle spielen und wie das verhindert werden kann.
Zielsetzung des Projekts soll sein, auf der Basis eines fiktiven Erlebens das Geschehen im Nationalsozialismus für die Schüler nacherlebbar zu machen. Die Schüler übernehmen Rollen gleichaltriger Jugendlicher im Nationalsozialismus im regionalen Kontext und schreiben ihr Erleben auf. Jeweils eingeschobene ‚Aktionen‘ (Machtergreifung, BDM/HJ-Mitgliedschaft aller Schüler, Ausschluss eines jüdischen Mitschülers aus der Schule, Sterilisation eines Mitschülers, Musterung, Kriegsbeginn etc.) beinhalten die Grundlage, das Geschehen in ihrer jeweiligen Rolle fortzuschreiben. Die Rolle enthält biografische Hintergründe, wird grob gekennzeichnet, ist aber in ihrer Entwicklung durch die Schüler frei (allerdings muss die Fortentwicklung der jeweiligen Rolle wahrscheinlich sein).
Am Ende des Projekts evaluieren die Schüler die Entwicklung ihrer Rolle, beurteilen sie auch. Hätten sie heute auch so gehandelt. Sie vermuten zudem, was aus ihrer Rolle jeweils geworden ist.
Gesamtzielsetzung ist also, zu erkennen, nachzuempfinden, wie Faschismus / Nationalsozialismus funktioniert hat und wie man durch rechtzeitige Gegenwehr verhindern kann, dass man in das faschistische Geschehen eingebunden wird.
Organisationsform
Die Endergebnisse des Projekts werden in Romanform von den Schülern in einem Buch präsentiert.
Das Buch wird mittels einer Buchpremiere, an der alle Schüler beteiligt sind, der Öffentlichkeit präsentiert.
Geschrieben wird an mehreren Schreibtagen (Anzahl steht noch nicht fest) und individuell in freiwilliger Leistung. Jeweils etwa drei Schüler schreiben dabei gemeinsam eine fiktive Rolle. Die Schreibtage werden von Alfred Büngen in Verbindung mit den beteiligten Lehrern organisiert.
Das Schreiben der Schüler, ihr Erleben in der jeweiligen Rolle, wird im Verlag zu einem Roman verdichtet. Das Romangeschehen dient nun wiederum zur Basis der Bühnenpräsentation. Dem Lesern dient das Buch (ähnlich der ‚Welle‘) zu erkennen, wie sich die Strukturen des Faschismus aufbauen und das sie wiederholbar sind. Es geht also nicht um eine historische Dokumentation ‚Emstek im Nationalsozialismus‘, daher sind auch die Rollen der Schüler fiktiv und nur an historisches Geschehen angelehnt.
Gleich wohl sollen die Schüler gelegentlich auf reales historisches Geschehen zurückgreifen können. Daher wäre es toll, wenn Institutionen der Gemeinde (Kirche, Verwaltung, Betriebe, Heimatverein etc.) u.U. vorhandenes Material als Grundlage eines zu entwickelnden fiktiven Geschehens zur Verfügung stellen könnten.
Dauer der Arbeit
Das Projekt soll innerhalb eines Schuljahres abgeschlossen werden. Der Startschuss mit der Rollenverteilung und einem ersten Schreiben beginnt unmittelbar nach den Sommerferien. Die Schreibtage ziehen sich bis in das zweite Halbjahr, wo gegen Ende des Schuljahrs die Vorstellung des Romans erfolgt.