Richard Pfund nahm mit einem eigenen Beitrag am „inklusivBS – Workshop 1: Haltung und Behinderung“ im Hohenwart-Forum bei Pforzheim teil

hier der Bericht: Um Inklusion und individuelle Förderung an beruflichen Schulen systematisch voranzubringen, hat das Ministerium für Kultus Baden-Württemberg das Projekt „Auf dem Weg zur inklusiven beruflichen Schule / Umgang mit Heterogenität (inklusivBS)“ initiiert. Ziel ist es, berufliche Schulen bei der Gestaltung inklusiver Schulentwicklungsprozesse zu unterstützen. Das IBBW wurde mit der wissenschaftlichen Begleitung des Projekts beauftragt.

Am 2. November 2026 durfte ich im Rahmen des „inklusivBS – Workshop 1: Haltung und Behinderung“ im Hohenwart-Forum bei Pforzheim, einem idyllischen Drei-Sterne-Hotel mitten in der Natur, vor Berufsschullehrkräften und Schulleitungen in einem Interviewformat sprechen. Ich redete über meine Schulzeit. Diese begann zunächst an Sonderschulen, in welchen ich mich meist unwohl gefühlt hatte, da man mich dort oft nicht ernst nahm und meine kognitiven Fähigkeiten völlig unterschätzte. Man hatte ein ganz bestimmtes Bild von einem Menschen mit Spastik im Kopf, in das ich einfach nicht hineinpasste. Sätze wie „Das brauchst du nicht, du landest sowieso in einer Werkstatt für behinderte Menschen“ prägten diese Zeit und kratzten enorm an meinem Selbstwert. Es ging sogar so weit, dass ich in dieser Phase mit Depressionen zu kämpfen hatte.

Den anwesenden Lehrkräften und Schulleitungen berichtete ich dann von meinem entscheidenden Wechsel an die Regelschulen, zunächst an die Carl-Benz-Schule in Gaggenau und später an die Handelslehranstalt (HLA) in Rastatt. Dort erlebte ich einen echten Wendepunkt: Zum ersten Mal wurde ich an meiner Leistung gemessen, weil man zwar keine Ahnung von meiner Behinderung hatte, sich aber auf meinen Verstand fokussierte. Ich konnte endlich zeigen, was in mir steckt.

Doch ich verschwieg auch nicht die enormen Hürden, die Inklusion im Alltag mit sich bringt. Ich erzählte von den Kraftakten, die es kostete, überhaupt am Unterricht teilnehmen zu können. Von Assistenten, die unzuverlässig waren, von dem ständigen Zwang, meine Bedürfnisse immer wieder erklären zu müssen, und von der Instabilität des Systems. fiel meine Assistenz aus, musste ich zu Hause bleiben. Es war ein täglicher Kampf um Sicherheit und Verlässlichkeit, der oft mehr Energie kostete als das Lernen selbst.

Meine wichtigste Botschaft an das Fachpublikum im Hohenwart-Forum war daher ein Appell an die Haltung: „Lassen Sie sich nicht von Äußerlichkeiten , wie einem steifen Körper oder einer verwaschenen Aussprache  täuschen oder abschrecken. Hören Sie hin, begegnen Sie den jungen Menschen auf Augenhöhe und trauen Sie ihnen etwas zu. Man muss jeden Schüler und jede Schülerin dort abholen, wo sie stehen. Gerade in der heutigen Zeit, ist jedes offene Wort wichtig. Das kostet Zeit und Aufwand, aber kein junger Mensch hat es verdient, im System verloren zu gehen.

Heute bin ich Künstler, spiele Theater und schreibe Bücher. Dass ich nun an diesem idyllischen Ort im Schwarzwald vor Lehrern und Direktoren der beruflichen Schulen  meine Geschichte teilen durfte, erfüllt mich mit Stolz. Wie wertvoll dieser Austausch war, bestätigte mir kurz darauf eine wunderbare persönliche Rückmeldung: Man gab mir das Feedback, dass mein Beitrag an diesem Tag wirklich viel bewirkt habe. Mehrere Schulen hätten meine Botschaft verstanden, seien stark in die Reflexion gegangen und hätten bereits neue, schärfere Ziele für ihre eigene Schulentwicklung abgeleitet. Dieses Feedback zeigt mir: Wenn das Teilen meiner Erfahrungen dazu beiträgt, dass Schulen Inklusion nicht mehr als Hindernis, sondern als echte gemeinsame Aufgabe begreifen, dann war dieser Workshop ein voller Erfolg.