03.05.2026 - aktuelle Autorin - Eda Muslubaş
Eda Muslubaş
Geb. 2000 in Gelsenkirchen, Autorin und Studentin der Klinischen Psychologie in Frankfurt/Main. Seit 2011 re-gelmäßige Veröffentlichungen in den Essener Anthologien und anderen Publikationen.
Was werden wir sagen?
Werden zukünftige Kinder
in der Lage sein, auf Wiesen zu laufen?
Oder nur in Monokulturen, ohne Leben?
Werden sie ein Leben kennenlernen
außerhalb der Dystopie, die wir selbst geschaffen haben?
Werden sie die Erde im Regen riechen?
Oder riecht er nach Staub?
Kein Vogelzug mehr, der Himmel still?
Keine Insekten auf Windschutzscheiben,
weil es keine mehr gibt?
Existieren die Tiere nur hinter Glas und Gittern?
Verfangen sich die Wespen noch in ihren Trinkgläsern?
Und wird ihr Summen noch nachhallen in der sterilen Luft?
Eines Tages werden sie uns fragen,
Wie es war, Gras unter den Füßen zu spüren, das gegen die Knöchel streift.
Statt Beton, makellos, kalt und ohne Leben.
Sie werden sich wundern, wie ein Würmchen denn leuchten kann
Und wie sich das Zirpen der Grillen im August anhört.
Ähnlich wie das leise Summen von Stromleitungen im heißen Wind?
Es gibt keinen Vogel, der dich in den frühen Morgen singt.
Oder Licht, das durch Blätter gebrochen wird.
Nur gleichmäßiges, künstliches Neonweiß.
Kein Himmel voller Sterne,
sondern ein Himmel überstrahlt von Stadtlicht.
Ein Himmel, der vergessen hat, dass er einmal dunkel war.
Werden sie in Zukunft noch Jahreszeiten kennen?
Oder nur verschwommene Monate?
Wird das Wort „Natur“ wie ein Märchen klingen?
Tierarten, die sie nur noch aus Bildern kennen?
Tote Tiere, tote Pflanzen, eine tote Erde.
Und wenn sie uns fragen, was „Natur“ gewesen sei,
werden wir sagen: „ein Märchen“,
mit einem tragischen Ende, das wir selbst geschrieben haben.
aus der Anthologie: Wenn selbset der Platikbaum stirb. Geest-Verlag 2026