17.05.2026 - aktueller Autor - Aynush Florentina Puchner

Aynush Florentina Puchner

besucht das Bundesgymnasium Billrothstraße in Wien. Seit der Volksschule schreibt sie selbst Texte und hat später gesellschaftspolitische Themen in einem Blog veröffentlicht. In der Schule hat sie mehrfach an Schreibwettbewerben teilgenommen. Sie ist begeisterte Fußballspielerin, weshalb sie fast täglich trainiert und zahlreiche Spiele hat, die sie auch in andere Bundesländer Österreichs führen. Außerdem liest sie gerne und probiert neue Kochrezepte aus. Nachfolgener Beitrag kommt aus der Anthologie zum 8. Vechtaer Jugendliteraturpreis.

Aynush Florentina Puchner (16 Jahre)

Efeu

 

Ich habe gelernt, einfach weiterzuleben. Wir alle haben das. Denn schlechte Nachrichten sind zur Normalität geworden. Wenn wir morgens in der Bahn über die Grausamkeiten der letzten Tage lesen, wundern wir uns nicht mehr und versuchen trotzdem, unserem Alltag nachzugehen, als hätten uns diese nicht erschüttert. Doch in unseren Köpfen bleiben die Fotos, Videos und Schlagzeilen eine ständige Belastung. Das ist auch unser Glück, für so viele Menschen ist all das Realität, was bei uns nur über Bildschirme gleitet. Wir sitzen in der Schule oder im Büro, während anderswo zerbombt und getötet wird.

So privilegiert wir auch sind, bleibt uns eine beängstigende Realität auch nicht erspart. Parteien mit rechtsextremen und menschenfeindlichen Ansichten sehen die durch den Zustand der Welt ausgelöste Angst und Unzufriedenheit als Mittel, neue Wähler:innen zu gewinnen. Minderheiten als Schuldenböcke zu verwenden und damit den Hass zu verstärken, kommt ihnen gerade recht. Wer nicht Verantwortung übernehmen will, schießt einfach gegen jene, die es sowieso schon schwer haben. Anfangs glaubte ich, dass die Bürger:innen diese ekelhaften Methoden erkennen und diese Parteien als Verlierer nach Hause gehen würden. So war es aber nicht. Sie stürzten sich als Gewinner direkt auf die einflussreichen Positionen.

Dinge wie diese haben wir schon einmal gesehen, wir haben in Geschichtsbüchern darüber gelesen, und doch haben wir nichts daraus gelernt. Gerade fühlt es sich an, als würden schlimme Ereignisse wie Efeu aus einer Hauswand sprießen. Efeu, der schon einmal da war. Mühsam weggerupft und plötzlich wieder erschienen. Vielleicht in einer anderen Farbe, aber noch immer dieselbe Pflanze wie damals. Die Parallelen sind da. Diese ständig zu leugnen, verzögert ein mögliches Ende und verschlimmert nur noch die Geschichte, die wir hinterlassen.

Wer noch immer nicht glaubt, dass etwas vermeintlich Vergangenes wieder auftreten kann, der sieht nicht genau genug hin. Wegschauen ist doch viel bequemer, wenn man nicht betroffen ist. Wegschauen, während sich die USA langsam in einen autoritären Staat verwandeln. Wegschauen, während dort Deportationen stattfinden. Wegschauen, während Parteien mit rechtsextremen Einstellungen immer mehr Mitspracherecht bekommen. Wegschauen, wenn versucht wird, eine Volksgruppe im Gazastreifen auszulöschen. Wegschauen, während wir mit den Werten zurück in die Vergangenheit wandern. Das ist erst der Beginn und irgendwann ist einfach weiterleben, einfach wegschauen nicht mehr möglich.