Gedicht des Tages

Luisa Maureen Chilinski - James Mortis (Gedicht des Tages)

James Mortis

Schweißnassgebadet aufgewacht,
erneut geträumt, erneut gestorben:
James Mortis fällt, sein Kopf schlägt auf,
als schwarzer Regen ihn bedeckt.

Jeden Morgen, jeden Abend
tief verloren, Soldat James Mortis,
wenn seine Kellertür sich schließt.

Ach, wie war der Tag noch damals,
als Feuer fern und Leid ihm fremd.
Menschen sich zufrieden liebten,
Vergnügen spät erkannten Werts.

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Ulrike Kleinert - Die Gespenster (Gedicht des Tages)


Die Gespenster

 

Die Gespenster spielen auf,

ihre braunen Jacken

haben sie ausgezogen

und mit T-Shirts vertauscht.

Sie fahren keine Panzer

sondern auf der Datenautobahn,

ihre Aufmärsche zu zweit oder fünft

finden mehr am Biertisch

als in den Straßen statt.

Ihr Lachen zwishen den Zähnen

schimmert perlweiß

 

Sie heban das Gesicht

von Söhnen, Brüdern, Freunden,

Ehemännern

 

Viel von ihnen

schlagen nie zu.

 

Sie spenden nur

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Pablo Neruda - Ostseeruinen (autorisierte Übersetzung von Heinz Fischer) - Gedicht des Tages

von Pablo Neruda autorisierte Übersetzung aus dem chilenischen Spanisch
von Heinz Fischer, München


Ostsee-Ruinen

Danzig, vom Krieg zersiebt,
zerrissene Rose -
wie ein Gespenst unter Gespenstern,
zwischen dem Meergeruch
und dem hohen hellen Himmel,
zwischen orangesilbernen Trümmern,
ging ich durch deine Ruinen.
Der Nebel drang mit mir ein,
die eisige Schwade,
und im Herumirren
entwirrte ich die Straßen
ohne Häuser und Menschen.
 

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Sabine Prilop - Erinnerung (Gedicht des Tages)

 

Prilop, Sabine: Schleierstaub

 

Sabine Prilop

Erinnerung

Wenn ich zeitnah zurückdenke, bewegen
sich meine Gedanken auf mich zu.
In den bekannten Verstecken des Hirns
tanzen die Bilder noch ohne Unschärfe.

Das Ausloten möglicher Schärfe,
die nach Jahren noch sichtbar ist, drängt sich
wie eine doppelt geschliffene Klinge
als Wahrnehmung immer häufiger auf.

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Herbert Mannel - Jeder küsst nur seinen Schatten (Gedicht des Tages)

Ein stilles Leben,
farbloses stilles Leben.
Sonne scheint ausgelöscht,
Schatten durchwandern den Raum.

Da sitzen wir
und trinken den blutigen Kaffee,
schwarz muss er sein, schön schwarz.
Eingesperrt in unserer Welt, schauen wir
nicht mal mehr aus dem Fenster,
schauen lieber den Porno im TV.

Dein Jammern überall,
doch das Rauschen des Meeres
hörst du nicht
in diesem Überlebensspiel
mit gefühllosen Akteuren.
Der Käfig unseres Lebens.

Alle auf der Suche.
Niemand weiß genau,

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Aslaner / Tarhan - Vergiss nicht (Jugendliche melden sich zu Wort)

Vergiss nicht

Träume geben dir Mut
Träume helfen dir
Schwierigkeiten zu überwinden
Beim Träumen kannst du dich entspannen
Und über alles Mögliche nachdenken
Aus Träumen gewinnst du neue Kraft
Träume bieten dir einen Zufluchtsort
Beim Träumen ist man
In den schönsten Situationen
Träume lassen dich hoffen
Lass dir deine Träume nicht wegnehmen
Aber vergiss nicht
In der Wirklichkeit zu leben

Gülsah Aslaner (15 Jahre)
Merve-Nur Tarhan (13 Jahre)

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Marianne Alteheld-Naß - Sommerende (Gedicht des Tages am 21. August)

Sommerende


Wieder ein Sommer vorbei.

Immer geschwinder vergehn
mit den Jahren die Jahre.

Halten, festhalten gilt nicht.

Nur innehalten ab und an,
um wahrzunehmen, was ist,
ehe es vergangen.

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