Gedicht des Tages

Marianne Pumb - Nach der Tagesschau (Gedicht des Tages)


Pumb, Marianne: Mit Flügeln flinkeln

Marianne Pumb
Nach der Tagesschau

 

Nach der Tagesschau

Jugendlicher erschlug Kind
einfach so aus Lebensfrust
unweit von meiner Couch
auf der ich jetzt liege

New Orleans wird gerade hinweggespült
und im letzten Tsunami
starben weit mehr als
zweihunderttausend Menschen

Auch mein Leben war nicht immer leicht

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Lena Klassen; Wir selbst (Gedicht des Tages)

Wir selbst


Da sie verdursteten
(Gerbera waren es,
glühend orange)
warfen sie sich in ihr Inneres
wie um sich mit
sich selbst zu stillen

schlössen sie sich um die Mitte
und
waren sich selbst der Kelch
der nichts außer ihnen enthielt

sie
wurden kleiner (als fräßen sie sich selbst)
farblos auch, als
zehrten sie von Farbe

als wüssten sie es nicht besser als wir
dass
sie sich nicht genügen konnten

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joachim schlichte - keinen ausweg (Gedicht des Tages)

keinen ausweg

wissend

ahne ich nicht

einmal oder mehr

 

aus dem käse

keller

dem reifen den

über ge wältigt

 

bleibt nur der ver

packte

fo li en ver

verschweißte an hang

 
im kühlregal unseres supermarktes ohne gefühl .

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Carina Göbel - Püppchen (Gedicht des Tages)

Püppchen auf, Püppchen zu, 
Geh ich fort, hast du Ruh.
Seh ich dich, blickst du starr, 
Streifst mir nichtmal mehr mein Haar.
 
Dein Mund so leer, 
Du sprichst nicht mehr,
Bist du versteinert?
 
Du dumpfes Holz,
Schaust voller Stolz
Auf mich nieder, 
Wirst leben nie wieder.
 
Püppchen auf, Püppchen zu,
 

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Carina Goebel - Wellenschlange (Gedicht des Tages)


 

Wellenschlange

Du treibst,
treibst in der Mitte,
zwischen dem Blau,
das zwischen dem Grün.
Gelb gegen Braun,
Blau gegen dich.
Nimmt es dich ein oder
siegst du?
Treibst weiter, dein letzter Halt
eine knallrote Luftmatratze,
verlierst das Ufer aus der Sicht.
Treibst und treibst,
bis das Blau dich vollständig
verschlingt.
 

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Gábor Paál: Die Blätter ziehen (Gedicht des Tages)

Die Blätter ziehen

Das Wasser färbt sich
unter flüchtigem Dunst
transparent herbstlich
wie natürliche Kunst
in der gläsernen Tasse.

Zwei davon getrunken
überfällt mich Euphorie
jeder Tropfen ein Funken
so meine Theorie
von der gerbsauren Masse.

Nach Milch
oder nach Zucker
fragt nur ein Knilch
nur arme Schlucker.
Sie wissen nicht
was sie versäumen
den Glanz, das Licht
den Stoff zum Träumen.
 

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