Anna Rieken liest ihren Beitrag "Ignoranz verhindert nicht Konsequenz" aus der Jugendanthologie 2026
Hördatei:
Anna Rieken (19 Jahre)
Ignoranz verhindert nicht Konsequenz
Der Planet zugemüllt
Von stinkenden Abgasen eingehüllt
Das Klima wird heißer
Die Sonne brennt
Die Wälder sterben
Bis jedes Tier rennt
Regen fällt nieder, ertränkt unser Land
Trockene Erde unfruchtbar
Völlig verbrannt
Der Boden vertrocknet
Leben zu Staub
Doch die Menschen scheinen blind und taub
Schließen die Augen vor den Tatsachen
Ignoranz, Arroganz, Intoleranz
Der Planet verbrennt, zerbricht und vergeht
Und keiner will es sehen
Weil er sich immer noch dreht
Das war gestern
Vergangenheit
Man würde erwarten, heute ändert sich die Zeit
Doch was wir vom Morgen erhoffen
Wird erst morgen geschehen
Und wir leben im Heute
Das scheint keiner zu verstehen
Damit sich morgen was ändert
Müssen wir heute anfangen
Die Realität ist:
Gestern schert sich keiner um morgen
Es geht nur um heute
Kurzfristige Sorgen
Müllberge versperren die Sicht
Auf das nächste Dorf
Zugeschüttet, vergammelt, verseucht
Verlassener Ort
Kinder und Hunde klettern in den Bergen
Suchen nach Essen im Verderben
Öltanker fahren im braunen Wasser
Müllteppiche, Chemie, Öl, Bomben, Abwasser
Unfassbar
Die Spitze des Eisbergs ein Haufen aus Gift
Den unteren Teil man schnell vergisst
In den Tiefen treiben leblose Tiere
Ein gähnender Abgrund aus Schwärze und Tod
Plastiktüten, Geisternetze
Radioaktive Abfälle
Alles, was unsere Meere verätzte
Das Leben erstickt, verhungert, stranguliert
Verbleicht unbemerkt und ignoriert
In der Gesellschaft nur falsche Gesichter
Schichten aus Make-up
Das Leben scheint sicher
Trends wandeln im Sekundentakt
Gesichter von gestern veraltet
Landen im Restmüll, keiner sie behaltet
Überfüllte Straßen aus neuen Kleidern
Billig, ungetragen
Kinderhände sie schneidern
Online bestellt und vor die Haustür gebracht
Über das Dazwischen wird nicht nachgedacht
Ausbeutung, Verschwendung, Verschmutzung, Vergiftung
Kinder arbeiten lohnlos
Verenden trostlos
Doch warum über Konsequenzen reden
Über schlechten Konsum
Wenn man dagegen sein eigenes Leben
An die Spitze der Hierarchie setzt
Sich selbst überschätzt
Alle – nur nicht sich selbst – verletzt
Nehmen statt geben
Immer mehr
Immer weiter
In die Höhe jagen
Wie die Temperatur in allen kommenden Jahren
Kein Blick zurück
Aber auch keiner nach vorn
Nicht mal auf die eigenen Hände schaun
Wir warten auf das Ende dieser Zeiten
Dabei fangen sie gerade erst an
Doch statt sie zu stoppen
Bleiben wir still
Sitzend in unseren Bergen aus Bald-Müll
Auf heißer werdenden Kohlen
Die uns zwingen, wegzurennen
Dabei sollten wir stehen bleiben
Und die Kohlen abkühlen
Bevor wir selbst auf der Erde verglühen
Denn dieser Planet ist unser Haus
Wir stecken es in Brand
Schmeißen uns selber raus
Wir tragen die Verantwortung für unser Tun
Doch wichtiger scheinen Wachstum, Ruhm, Konsum
Am Ende des Tages werden wir sehen
Geld und Autos bringen uns nichts
Wenn um uns nichts als tote Bäume stehen
Das schlechte Gewissen ein Gewicht
Doch ein Verzicht funktionierte nicht