Jochen Keth - Dazwischengedanken (Gedicht des Tages)

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Dazwischengedanken von Jochen Keth 


Das Lied vom König
Es war einmal ein Mann
der wollte gerne König sein
drum schlug er einfach dann
den alten mausetot
setzte sich die Krone auf
und weil er sah, wie schön es war
zog er los, schlug den Nachbarkönig nieder
stülpte über erste Krone, zweite rüber
und weil er sah, wie schön es war
zog er los, größer, wilder, emsiger
schlug und schlug und nahm und trug
verzaubert nun von eigener Pracht
erschlug er immerzu
stärker, feiner, eleganter
kein Zweifel ließ ihn wanken
durchstieß mit seinem Kronendach den Himmel
nur sein Schimmel schnaufte schwer
dies hat den König null gestört
ritt gewaltig hin zum Fluss
wollte neues Krönchen haben
das treue Pferd tat wie befohlen
schwamm vom Ufer einen Meter
rollte links, rollte rechts - befreite sich vom Reiter
erreichtes trocknes Land, ging fort
der König schrie in seiner Not: O HILF MIR GOTT!
zu spät, kein Rufen half, kein Ziehen, Fluchen
keine Einsicht, kein Gebet
die Macht saß mächtig fest
verwachsen mit dem Schädelknochen
tauchte unter, ganz hinunter
nur die Spitze lugte, blinkte
kam die Elster ran
hat den Blinkstein abgebissen
mitgenommen
das war es dann gewesen