Das Narr - Schweizer Literaturzeitschrift sucht Texte zum Thema 'Spielen'
OPEN CALL – Narr #49: Spielen
Vielleicht haben noch nie so viele Erwachsene so viel gespielt wie jetzt: Fast alle gamen wir auf dem Handy, auf Konsolen oder dem Computer. Apps gamifizieren das Lernen von neuen Sprachen. Und Pen-and-Paper-Rollenspiele wie Dungeons & Dragons waren noch nie so beliebt und zugänglich wie heute. Überhaupt sind Games eines der erfolgreichsten gegenwärtigen Erzählmedien und operieren in grosser Vielfalt zwischen gescripteten Storys, eigener Handlungsfreiheit und Zufall. Doch während Erwachsene mehrheitlich spielen, um sich zu entspannen, ist gerade bei Kindern das Symbolspiel, das “So-tun-als-ob”, mehr als nur Spass: Es stellt einen wichtigen Schritt in ihrer Entwicklung dar und ist eng mit ihrer Sprachentwicklung verknüpft.
Literatur hingegen wird meist nach wie vor mit einem gewissen Ernst betrieben. Schwere Stoffe, monotone Lesungen, unzugängliche Hochkultur. Was Spass macht, läuft Gefahr, als trivial abgestempelt zu werden. Dabei ist Literatur eigentlich im Kern sehr spielerisch.
Die kleinste Einheit von einem spielerischen Umgang mit der Sprache ist vielleicht das Wortspiel. Schon ein bewusst schlechtes Wortspiel zelebrieren wir in gespielter Genervtheit darüber, als würde auch das zu den gesellschaftlichen Spielregeln gehören. Über einzelne Wörter hinaus können wir auch spielerisch erzählen und lesen. In Saša Stanišićs Roman „Herkunft“ gibt es ein märchenartiges Kapitel, dessen Handlung in verschiedene mögliche Abläufe mit unterschiedlichen Enden verzweigt ist. Das Kapitel ist aufgebaut wie ein Rollenspiel, bei dem wir am Ende eines Abschnitts mitentscheiden, was als nächstes passiert. Und das ist nur ein Beispiel für formelle Experimente, die von einer spielerischen Erzählhaltung geprägt sind.
Aber Literatur entsteht ganz allgemein durch eine Spannung zwischen Improvisation und Regelhaftigkeit, durch ergebnisoffenes Experimentieren, Kooperation und neues spielerisches Zusammensetzen von sprachlichen Elementen. Der homo ludens ist also auch dann noch ein spielender Mensch, wenn er den Stift in die Hand nimmt oder sich an die Tastatur setzt und schreibt.
Das wollen wir mit euren Beiträgen im Narr #49 zum Thema Spielen beweisen! Schickt uns eure spielerischen Texte oder Texte übers Spielen, lasst beim Erzählen die Würfel rollen, arbeitet wild zusammen, brecht alte literarische Spielregeln oder erfindet gleich ganz neue.
Einreichungsfrist: 30. April 2026
Einsendungen an texte@dasnarr.ch
Das Narr #49 soll im Herbst 2026 erscheinen.
– Der Umfang der Texte sollte 12 000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) nicht überschreiten.
– Pro Person kann nur ein Text bzw. ein Dossier (Lyrik, Kurzprosa) eingereicht werden.
– Bitte anonymisiert eure Texte. Schickt in einer separaten Datei euren Namen/Pseudonym, E-Mail-Adresse und eine Kurzvita (max. 500 Zeichen, inkl. Leerzeichen).
– Format: Word (falls nicht möglich, nehmen wir auch andere Textformate)
– Schriftart: Times New Roman, Schriftgrösse 12, linksbündig, Zeilenabstand: 1.5, keine Einzüge
– statt ß: ss
– grafische Anführungszeichen: „“
– Gedichte in Schriftgrösse 20 einfügen (so stimmt die Zeilenbreite mit der Zeilenbreite des Magazins überein)