29.03.2020 - aktuelle Autorin - Cordula Scheel

Cordula Scheel

Jahrg. 1935, verheiratet, 2 Kinder.
Kindheit und Jugend in Mecklenburg, Stettin, in der Uckermark, nach der Flucht in Schleswig Holstein. Seit 1950 in Hamburg. Jurastudium in Tübingen, Madrid, Abschluss in Hamburg. Ausbildung zur Dolmetscherin für Spanisch und Französisch. Drei Veröffentlichungen:
Denn ich wage das Wort (1995), Öffnung (1997) beide Kreis der Freunde Peter Coryllis, Walchum

Anna Steins - Sophie (Jugendliche melden sich zu Wort in schwierigen Zeiten)

Sophie

Wenn sie träumt ...
Wenn sie träumt, dann ...
Wenn sie träumt, dann von einer Welt ...
Wenn sie träumt, dann von einer Welt,
die anders ist, die
besser,
schöner,
gerechter,
liebevoller,
verträumter ist.
Und die wird es
nie geben.
Denn sie träumt nur davon.

Sie sitzt gerne in Straßencafés. Noch lieber, wenn es regnet. Dann prasselt der Regen auf die Straße, und hinterher glänzt die Welt. Sie leuchtet. Die Regentropfen perlen dann langsam von den Blättern ab.

Uwe Rossner - Klappe die letzte (Gedicht des Tages in schwierigen Zeiten)

Klappe, die letzte


Alles, was war, ist unerheblich,
alles, was ist, ewiger Rest.
Mit mehr oder weniger entschlossener Hand
öffnet sie die Tür
und mit ihrem Blick in dir einen Abgrund,
in den alles rutscht,
was dich hielt.

Kein Atem!
Keine Sprache!
Keine Würde!

Dein Herz ein Zittern,
deine Haltung ein Flehen,
alle Gefühle verstummen
und weichen dem Sterben deiner selbst.

Alles, was war, ist unerheblich,
alles, was ist, ewiger Rest.

Vanessa Meier - Soll das alles gewesen sein? (JUgendliche melden sich zu Wort)


Dreizehn Uhr. Noch
schlaftrunken öffnet sie die Augen, beginnt zu blinzeln, ist verärgert über die
Sonnenstrahlen, die durchs Fenster scheinen und sie blenden. Erst ganz schwach,
dann immer stärker spürt sie die Beklommenheit, das monotone Klopfen in ihren
Schläfen. Wie in Zeitlupe versucht sie sich aufzuraffen, schafft es mit Mühe
und Not, sich im Bett aufzusetzen. Ihr Blick fällt zur Seite, ihr stockt der
Atem, denn erst jetzt sieht sie ihn. Ihn, der ruhig in ihrem Bett liegt und

Karin Flörsheim - Abschied nehme ich (Gedicht des Tages in schwierigen Zeiten)

Abschied nehme ich

 

 

Abschied nehme ich

Für immer

Von gelb braunen Wüsten

Hellgrauen Steinfeldern

Weißen Stränden

Von tosenden Meeren

 

Die Hitze verbrannte

Meine Augen

Die Sonne schlug

Den Körper

In vergangenen Zeiten

Liebte ich euch

Wüste Steine und Meer

 

Früher war die Seele

Gefüllt mit frischen Farben

Der Körper geschmeidig

Meine Gedanken

Matthias Rürup - Locker bleiben (Gedichte in schwierigen Zeiten)


 

Locker bleiben


Locker bleiben, sagt sich leicht,
Dass wir uns missverstehen,
Du beim Stretchen, ich beim Chillen.

So rügst du mich, ich würde steif
Und viel zu rund beim Liegen -
Bis dann am Ende nichts mehr geht.

Während mir dein Keuchen schon,
Wenn du die Spannung hältst,
Beleg ist für Verkrampfung.

So dass wir, zugleich zugegen,
Uns gegenseitig stören bis
Nur noch Liebe alles heilt.

 

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