28.04.2022 - aktuelle Autrin - Sigune Schnabel

 

Fünf sein

Er rannte mir nach,
sagte, zieh dich aus
mit seinen fünf Jahren
und zehn Kilo zu viel.
Ich glaubte an ein Spiel
und verjagte die Tiere,
die aus meinem Mund drangen.
Meine Zunge: ein zwinkernder Vogel,
federlos.

Wenn ich groß bin,
werde ich ein Wort,
das niemand kennt.
Nennt mich Versteck:
in der Ecke
starr vor Schreck
mit zitternden Knien.

Morgen bin ich ein Haus
und schneide den Südwind in Stücke
mit den Kanten der Wände.
Meine Haut ist dann
aus Stahl.

 

Am 07. Mai 2021 ist Sigune Schnabels neuer Gedichtband "Auf Zimmer drei liegt die Sehnsucht" erscheinen.

Hier eine kurze Lesung aus dem Buch: Vorstellung auf dem Youtube-Kanal des Geest-Verlags(link is external).
Bisher erschienene Rezensionen:
Renzension von Amadé Esperer auf ARIEL-ART(link is external)
Renzension von Kerstin Fischer(link is external)
Renzension von Thomas Bartsch
"In sieben Zyklen führt uns die poetisch hochbegabte Autorin durch innere und äußere Sprach- und Gefühlslandschaften, lässt uns beobachten, wie aus Gedanken Verse werden und aus Versen Gedichte, deren poetischer Impuls beim Lesen sofort überspringt und deren Bedeutungsoffenheit die Fantasiewelt des Lesers anregt und nachhaltig beschäftigt." (Amadé Esperer)
"Alle inhaltlichen Aspekte der um die Sehnsucht kreisenden Gedichte von Sigune Schnabel werden durchdrungen von einer Sprachkunst, die trotz ihrer Anklänge an Rilke und Celan in ihrer Höhe, Tiefe und Vielfalt ganz und gar für sich steht." (Thomas Bartsch)
"Die Gedichte von Sigune Schnabel sind von gläserner Intensität." (Kerstin Fischer)

 

 

Sigune Schnabel, geb. 1981 in Filderstadt, wuchs in einer anthroposophischen Großfamilie bei Stuttgart auf. Nachdem sie sich von der Zeitungsausträgerin zur Vollzeit-Zeitungsausträgerin hochgearbeitet hatte, studierte sie in Düsseldorf Literaturübersetzen. Sie veröffentlicht regelmäßig in Zeitschriften und Anthologien, z. B. Die Rampe, Krautgarten, Wortschau und mosaik. Zudem gewann sie verschiedene Preise, u. a. beim Thuner Literaturfestival Literaare und Ulrich-Grasnick-Lyrikpreis 2017 sowie beim postpoetry-Wettbewerb 2018. 2017 war sie Finalistin beim Literarischen März in Darmstadt. Ihr Lyrik-Debüt Apfeltage regnen erschien 2017 im Geest-Verlag, gefolgt von Spuren vergessener Zweige im Mai 2019.

 Im Geest-Verlag erschienen: