Allgemeine News

Dieter Radtke - Kriegsgedicht

Kriegsgedicht
(05.03.2022)

Krieg –
Die Sonne verhängt
Mit schwarzen Tüchern

Geruch von verbranntem
Metall in der Luft

Ich lebe
Wie eine Kellerassel
In Angst vor der nächsten
Detonation

Der Feind
Ist ein Fremder
Er tötet –

Bevor er zum Freund
Werden könnte –

Die Reden seines Präsidenten
Im Kopf

Und gut gesichert
Trägt er die Fotos
Von Frau und den Kindern
Immer bei sich


Wenn die Stadt 
Von der Vorhölle

Sigune Schnabel - Wäsche machen

Wäsche machen

 

Jonas baut ein Haus aus Tüchern. Draußen ist es kalt, und ich lausche dem Schnee, der geräuschlos bleibt. Ich will das nicht wahrhaben. Wenn etwas fällt, muss es hörbar sein, am besten laut. Denn auch der Schnee ist nicht mehr unversehrt, wenn er die Straße berührt und schmilzt. Fallen ist Zerstörung. Manchmal gibt es danach nichts, manchmal Scherben.

„Ich bin halb Kind, halb Pfau“, sagt Jonas, und ich will wissen, warum er sich ausgerechnet einen Pfau ausgesucht hat, aber das verrät er mir nicht. Seine Stimme klingt fremd.

 

Seiten