Literaturzeitung 'Kassiber' sucht Texte
ür die erste Ausgabe der Zeitschrift Kassiber sind wir auf der Suche nach Texten. Einsendungen sind keine Gattungs- und Themengrenzen gesetzt: Willkommen sind Epik, Lyrik und Dramatik, als auch experimentelle Brüche starrer Gattungsnormen und Verschmelzungen von selbigen, darüber hinaus literarische Philosophie und Essayistik. Die Texte müssen jedoch deutschsprachig sein.
Voraussetzungen: Texte müssen unveröffentlicht sein und das Urheberrecht bei den Autoren liegen.
Formalia:
- Times New Roman
- Schriftgröße: 12pt.
- Zeilenabstand: 1,5-fach
- Dateiformat: .doc(x) und .pdf
Prosa/Drama/Essays: max. 10.000 Zeichen (mit Leerzeichen)
Lyrik: max. 8 Gedichte bzw. 150 Verszeilen
Einsendeschluss: 31. Jänner 2023
Am Ende der Datei ist eine kurze Bio(biblio)graphie (max. 400 Zeichen) beizufügen.
Per E-Mail als PDF- und Word-Datei an manuskripte@kassiber.at
Über Kassiber
Mit der geplanten Literaturzeitschrift KASSIBER soll ein unverwirklichtes Vorhaben des jüdischen Religionsphilosophen Jacob Taubes realisiert werden: In einem mit 17. November 1977 datierten Brief trat Taubes an Carl Schmitt, dem ‚Kronjuristen des Dritten Reiches‘, heran, wonach er ein „Aperiodikon für Hermeneutik und Humanwissenschaften“ namens KASSIBER herausbringen wolle. Der rotwelsche Begriff Kassiber – gaunersprachlich für verborgen gehaltene Gefängnisschriften – käme, wie Taubes etymologisch herleitet, von dem hebräischen Wort kataw ktiwa für „Schrift, Brief, Text, ‚also‘ Hermeneutik“ – Taubes gebrauchte diese Bezeichnung zu jener Zeit, als Inhaftierte der RAF ihre Botschaften aus dem Stammheimer Gefängnis schmuggelten. Schmitts Antwortschreiben fiel entsprechend ablehnend und distanzierend aus: „Ich bin Berufs-Jurist und kein Berufsrevolutionär.“
Hans Blumenberg, der von diesem Vorhaben Kenntnis hatte, warnte Schmitt in einem Brief: „Was auch immer im einzelnen geplant sein mag, dieser Titel verheißt nichts Gutes. Er setzt die Gedankenspiele fort, die sich um die verhängnisvolle Metapher von den Listen der Vernunft und des Weltgeistes drehen.“; um zugleich Taubes angeführte Wortherkunft zu monieren: „Kassiber mag ursprünglich bedeuten, was es will, in unserer gegenwärtigen Sprachwelt ist es ein die Legalität verhöhnendes Informationsinstrument.“
45 Jahre später dient uns diese verhängnisvolle Metapher, dieses sibyllinische Nomen, das laut Schmitt „eine spezifische Aura mit sich führt“, als ästhetische und konzeptuelle Referenz für eine Zeitschrift für Poetisches, für Untergründiges und Randständiges aus dem Bereich der Literatur: Die Konformität und Totalität des kanonisierten Denkens als Grenzpunkte einer metaphysischen Gefängnistopographie, der Kassiber als heimliche Botschaft an eine mögliche Außenwelt.
Kontaktmöglichkeit