Das Einleitungswort von Kinder, Eltern und Großeltern der 3. und 4. Klassen der Grundschule Langförden - Wir nehmen euch mit in unsere Welt ... Ein Schreib- und Buchprojekt in Zusammenarbeit von Grundschule Langförden und Geest-Verlag
Kinder, Eltern und Großeltern
der 3. und 4. Klassen
der Grundschule Langförden
Wir nehmen euch
mit in unsere Welt ...
Ein Schreib- und Buchprojekt
in Zusammenarbeit von
Grundschule Langförden
und Geest-Verlag
Herausgegeben von
Barbara Arlinghaus
Geest-Verlag 2013
ISBN 978-3-86685-415-4
ca. 380 S., 12 Euro
„Mein Name ist der Name von meiner Oma. An dem Tag, an dem ich geboren bin, an dem Tag ist meine Oma gestorben. Deshalb ist mein Name Nezahat.“
Der Beitrag von Nezahat über die Herkunft und die Bedeutung ihres Namens ist wie eine programmatische Aussage für dieses Buchprojekt. Kinder, Eltern und Großeltern sollten gegenseitig ihre Welten kennenlernen. Welche Bedeutung haben für die fast 100 Kinder der dritten und vierten Klassen der Grundschule in Langförden heute Familie, Freunde, Schule, der Ort selber und vieles mehr? Und wie waren Kindheit und Schule für die Eltern und Großeltern damals? Welche Streiche spielte man früher und spielt man heute, welche Berufswünsche gab und gibt es?
Die Kinder animierten die Erwachsenen zum Schreiben und schrieben an einem Schreibtag selber unzählige Texte. Kurze Berichte, Wünsche, Hoffnungen und Träume, Ärgernisse, Abenteuer und Fantasien. An über 20 Schreibstationen bestand für die mitwirkenden jungen AutorInnen, die die Kinder nun mit dieser Buchveröffentlichung sind, die Möglichkeit, fernab von Rotstift und Zensuren frei zu schreiben. In den Wochen zuvor hatten sie zudem die Aufgabe, ihre Eltern und Großeltern über deren Kindheiten zu befragen. Sich gegenseitig erzählen - das ist die Verstärkung einer Erzählkultur, die immer weiter droht, verloren zu gehen. Doch die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, mit eigenen Zielen, mit eigenen Verfasstheiten ist die Basis zur Entwicklung eigener Identität. Zu lernen, dass Schreiben eine wichtige Möglichkeit ist, über sich selber zu sprechen, sich mit sich selber auseinanderzusetzen, das vollzogen die Kinder mit einem Riesenspaß.
Dieses Buch fasst einen Teil der von Kindern und Erwachsenen entstandenen Texte zusammen und offenbart die ganze Vielfalt von Herkünften, Einstellungen, Verfasstheiten, Träumen und Wirklichkeiten. Ein Lesebuch für alle Generationen.
Kinder und auch einige Erwachsene werden am 19. Juni um 18.00 Uhr Texte aus dem Buch vorstellen. Nicht irgendwo, sondern - dem Anlass angemessen - im Metropl-Theater in Vechta.
Kinder, Eltern und Großeltern freuen sich als AutorInnen auf viele Gäste. Der Eintritt ist frei.
Das Gestern und das Heute bestimmen das Morgen
Kinder und Erwachsene arbeiten zusammen an einem Buch – nun wirklich keine Selbstverständlichkeit. Un-ser Traum von einem gemeinsamen Erleben und Lernen von Generationen wurde Wirklichkeit.
Der Ansatz unseres Schreibprojekts sollte sein, dass Kinder durch ihr eigenes Forschen und Schreiben ihre Welt darstellen und die Kindheitswelten von Eltern und Großeltern erkunden. Der theoretische Ansatz dazu: Nur wer seine eigene Geschichte erfasst, wird in der Lage sein, eine eigenständige Identität herzustellen zwischen gestern und morgen. Er wird vergleichen können, was gestern negativ war, heute besser ist, wird feststellen können, was dem Heute gegenüber dem Gestern fehlt, aber im Morgen vielleicht vorhanden sein sollte. Und die Erwachsenen? Auch sie werden sich für das Morgen und die Beurteilung des eigenen Lebens im Heute mit der Welt der Kinder auseinandersetzen müssen. Sie werden dabei auf eine ganz eigene Welt der Kinder treffen, auf andere Sichtweisen, die zu verstehen notwendig ist, will man die das Morgen gestaltende neue Generation verstehen. Wie denken und fühlen Kinder heute, welche Träume, Hoffnungen, Ängste, Einstellungen haben sie, was bedeuten ihnen die für uns noch zentralen Werte wie Familie, Lernen, Beruf, Freundschaft und vieles mehr?
Natürlich kann dieses Schreib- und Buchprojekt nur ein erster Ansatz sein, sich gegenseitig zu erzählen, sich einzufühlen und zu verstehen. Das bedeutet für keine der beiden Seiten die Übernahme der jeweiligen Werte, doch es bedeutet, verschiedene Sichtweisen auf Welt kennenzulernen, sich darüber auszutauschen und verantwortliche Entscheidungen zu treffen.
Die Kinder gingen mit großem Enthusiasmus an das Projekt, schrieben, insbesondere auch am Schreibtag über sich, lebten Fantasien, dichteten, reflektierten über sich, Familie, ihren Ort und vieles mehr. Vor allem aber animierten sie bereits im Vorfeld Eltern und Gro߬eltern und andere Erwachsene zum Schreiben und Erzählen über ihre Kindheiten, schrieben Erzähltes in ihrer kindlichen Brechung auf.
So wurde das Buch erheblich umfangreicher, als wir es geplant hatten. Doch es lohnt sich zu lesen, denn dieses Buch stellt ein Gesprächs- und Leseangebot von drei Generationen dar, gibt Einblicke in die Veränderung des Ortes und der Menschen, die in ihm leben. Langförden ist schon lange kein kleines Dorf mehr mit traditionell hier lebender Bevölkerung. Menschen aus aller Welt haben sich hier angesiedelt und werden auch dauerhaft hier leben. Neue kulturelle Einstellungen, neue Werte, neue soziale Verhaltensweisen werden das Leben in Zukunft mit prägen.
Unser Dank geht an alle jungen und älteren Autoren, die von sich erzählt haben, gilt Lehrern und Schulleitung für ihr engagiertes Mitwirken.
Alfred Büngen, Verlagsleiter