Herbert Gerke - Am Morgen

Am Morgen
 

Da sitzt du im Zug

und überlegst,
wann sich der Typ auf dem Platz vor dir
wohl in die Luft jagt.
 
Du betrachtest die Narben 
in seinem rasierten Schädel,
nimmst das leichte Zittern 
seiner Schultern zur Kenntnis,
denkst an deine Kinder
und deren Zukunft.
 
Halt!
Ausstieg - Einstieg.
Weiterfahrt.
Du überlegst, wie so etwas wie
Zukunft wohl für alle aussehen kann.
Für deine Familie, für seine.
Die Schultern zittern immer noch.
 
Endstation.
Der Schwarm treibt dich vorwärts.
Du drohst zu ertrinken
in der Welle aus Köpfen.
Du siehst noch einmal die Narben
im rasierten Schädel,
Ein paar Meter vor dir.
Dann öffnen sich die automatischen
Türen.
 
Vor dir liegt,
hell erleuchtet und 
scheinbar friedlich
der Weihnachtsmarkt.
 
Herbert Gerke