Vanessa Meier - Soll das alles gewesen sein? (JUgendliche melden sich zu Wort)


Dreizehn Uhr. Noch
schlaftrunken öffnet sie die Augen, beginnt zu blinzeln, ist verärgert über die
Sonnenstrahlen, die durchs Fenster scheinen und sie blenden. Erst ganz schwach,
dann immer stärker spürt sie die Beklommenheit, das monotone Klopfen in ihren
Schläfen. Wie in Zeitlupe versucht sie sich aufzuraffen, schafft es mit Mühe
und Not, sich im Bett aufzusetzen. Ihr Blick fällt zur Seite, ihr stockt der
Atem, denn erst jetzt sieht sie ihn. Ihn, der ruhig in ihrem Bett liegt und

Karin Flörsheim - Abschied nehme ich (Gedicht des Tages in schwierigen Zeiten)

Abschied nehme ich

 

 

Abschied nehme ich

Für immer

Von gelb braunen Wüsten

Hellgrauen Steinfeldern

Weißen Stränden

Von tosenden Meeren

 

Die Hitze verbrannte

Meine Augen

Die Sonne schlug

Den Körper

In vergangenen Zeiten

Liebte ich euch

Wüste Steine und Meer

 

Früher war die Seele

Gefüllt mit frischen Farben

Der Körper geschmeidig

Meine Gedanken

Matthias Rürup - Locker bleiben (Gedichte in schwierigen Zeiten)


 

Locker bleiben


Locker bleiben, sagt sich leicht,
Dass wir uns missverstehen,
Du beim Stretchen, ich beim Chillen.

So rügst du mich, ich würde steif
Und viel zu rund beim Liegen -
Bis dann am Ende nichts mehr geht.

Während mir dein Keuchen schon,
Wenn du die Spannung hältst,
Beleg ist für Verkrampfung.

So dass wir, zugleich zugegen,
Uns gegenseitig stören bis
Nur noch Liebe alles heilt.

 

Ulrike Migdal - Nahtstelle (Gedicht des Tages in schwierigen Zeiten)

Nahtstelle            

Im Sturm das frisch gepflügte Feld
aus rohen Ackerfurchen
die bis zur Brust hoch schlugen

Finstres fegt überkopf        
Stare Raben            

Darüber die Wolken
zu Fäusten geballt
im rot grimassierenden Himmel

Drunten liegt Modersohnland
Hundsäugige sahen
Haus Luft Erde Mensch
als wummernden Brei aus Dunkel

Schnipp, die erste Laterne
wir schweben im Neon

 

Buch: 

Seiten