Henrik Joost - Kräuterkunde (Jugendliche melden sich zu Wort)

Kräuterkunde
Henrik Joost

In einem Saal bei Lorbeer, in einer kleinen Ortschaft im Herzogtum Koriander, trafen sich in einer Basilika ein Herr Bär, ein Herr Lauch und ein Major an.
Der Major eröffnete das Gespräch, indem er fragte, wie sich die Herren befänden. Beide befanden sich wohl, also wechselte das Thema zur Kirchenausstat-tung.
„Welch ein lieb Sockel“, rief Herr Bär aus, als er sich dem Altar näherte.
„‘s hat allerdings n Kerble“, meinte der äußerst bay-rische Herr Lauch abwertend.

benedikt caselmann - ich denke (Gedicht des Tages)

ich danke den stunden in denen ich
schlaflos liege in den nächten in denen alles
still ist sodass allmählich die
inneren dinge aus mir hervortreten wie
eine leere landschaft im mondlicht
immer klarer und unmissverständlicher
hervortritt sodass ich zustimmen und
meinen weg fortsetzen kann beständig
und schritt für schritt auch unter spürbarer
last den pfad erkenne und keine fragen
mehr stellen möchte

Freya Miriam Bornewasser - Erste Gehversuche (Jugendliche melden sich zu Wort)

Freya Miriam Bornewasser
Erste Gehversuche


Ich gebe mir Mühe,
langsam zu gehen,
zu lernen,
damit niemand erwartet,
dass ich morgen renne,
dass ich morgen ganz allein stehe.

Ich versuche zu stolpern
und mich zu verirren,
so oft wie möglich,
weil ich es hasse,
ans Ziel zu kommen.

Ans Ziel kommen
heißt zu wissen,
was ich will
und was ich bereit bin,
dafür zu geben.

Ich dümple lieber so dahin
und gebe alles, was ich bin,
ohne zu erahnen,

Niedenführ, Jürgen

Jürgen Niedenführ
wurde 1941 in Oberschlesien gebo­ren. Nach der Vertrei­bung lebte er ab 1946 in ver­schiedenen Orten in Nieder­sachsen und NRW. Seit 1996 wohnt er in Wuppertal.
Das Abitur absolvierte er am Gymnasium Carolinum in Osnabrück. Danach Lehramtsstudium in den Fächern Deutsch, Philosophie und Geschichte, Lehrer, dann Dozent am Institut für Lehrerfortbildung. In seinen Kursen für das Fach Deutsch setzte er den Schwerpunkt auf die Entwicklung des kreativen Schreibens bei Lehrenden und Lernenden.

Autoren: 

Manuela Wingenfeld . Mein wahres Ich (Gedicht des Tages)

Mein wahres Ich

 
Mein wahres Ich
ist das Lyrische,
aber Ich
bin keine Metapher.


Die Anderen treffen sich manchmal,
um dem Vergessen
ein Schnippchen zu schlagen.

 
Dann kommt
alles Ungereimte
zur Sprache

 
Mein Du
Ist nicht lyrisch,
sondern rechnet
mit dem Schlimmsten

 
Das Wir
eine halbe Portion
buchstäbliche
Langeweile.

Buch: 

Seiten