„Jetzt ist Sense!“
Eine Salonreihe über den Tod – Literatur, Musik, Gespräche & Informationen
Wir wollen möglichst heiter und selbstbestimmt leben und ebenso sterben. „Jetzt ist Sense!“ bricht das Schweigen. Vorher denken wir zu wenig über unser Bedürfnis nach Abschied nach. Je mehr wir uns damit beschäftigen, desto kostbarer wird es einen Plan für den Notfall, den individuellen Abschied zu haben. Denn je freier wir damit umgehen, desto leichter wird es. Wir lassen den Tod in unser Leben. Das Theater ist irgendwann zu Ende.
Deswegen müssen wir uns mit den verschiedenen Zugängen zum Lebensende beschäftigen und dabei weder Humor noch Leichtigkeit zu kurz kommen lassen. Wir feiern die letzte aller Partys. Schauen hin und teilen Wissen statt Angst. Ein vielstimmiges Rahmenprogramm aus Literatur, Musik, Gesprächen und Informationen bringt neue Perspektiven. Gestaltet von verschiedenartigen Berliner Frauen. Also: Kommt vorbei! Redet mit! Lebt los! Es gilt die Vielfalt der Gesellschaft zusammenzubringen und Begegnungsorte zu schaffen. Und schon jetzt steht fest, die Steuererklärung vom Vorjahr muss gemacht werden, darauf verzichtet das Finanzamt nicht, auch nicht, wenn man verstorben ist…
Die sechsteilige Salonreihe „Jetzt ist Sense!“ (Ein vergnügt-vielfältiger Abend über die Endlichkeit) gibt ihren Auftakt am Donnerstag, den 16. April 2026, 19.30 Uhr, im La Bohème (Winsstr. 12, 10405 Berlin – Prenzlauer Berg). Der Eintritt ist frei, wegen der begrenzten Platzkapazität wird um vorherige Anmeldung gebeten (Telefon: 030 48 62 30 10). Als Kuratorin der Reihe fungiert Frau zu Kappenstein. Veranstalter des Events ist der Freundeskreis Tina Modotti Archiv e.V., ein gemeinnütziger Verein. Gedankt wird der LOTTO-Stiftung Berlin für die Unterstützung.
Zum ersten Talk mit Musik & Lesung „Jetzt ist Sense“ treten auf: Sigrid Grajek (Moderation), Isabel Neuenfeldt (Musik) und die Autorinnen Ute Apitz, Barbara Fellgiebel, Elke Hübener-Lipkau sowie Katja Hübner. Mit dabei auch „Ab unter die Erde“ – individuelle Abschiedspartys und Beerdigungen (Maria Kauffmann & Robert Freitag). Zur Salonreihe erscheint die Anthologie „Schluss! Aus! Sense!“ im Geest Verlag, herausgegeben von Frau zu Kappenstein und Elke Hübener-Lipkau, Illustration von Antje Püpke. Nächster geplanter Termin von „Jetzt ist Sense!“: 21. Mai. Die fotografische Dokumentation der Veranstaltung liegt in den Händen von Renate Koßmann.
https://geest-verlag.de/
https://laboheme.berlin/(link is external)
https://ab-unter-die-erde.de/(link is external)
Zu den Auftretenden im Einzelnen:
Ute Apitz alias PEGASUSe: So auch der Name der ersten publizierten Anthologie und des darauffolgenden Kabarettprogramms. Im Havelland geboren, im Oderbruch gelernt, geblieben, nach 30 Jahren der Liebe wegen Rückzug an die Havel und sucht nun in der Prignitz nach neuen Herausforderungen. Autorin von Lyrik, Liedern, Kabarett-Texten, Kurzprosa, kuriosen Liebes- und Lebensgeschichten sowie heiteren Anekdoten in brandenburgischer Mundart.
Barbara Fellgiebel: Die Menschen sammelnde Kulturvermittlerin stellt nach beachtlicher Lebenserfahrung fest, dass Enthusiasmus, Neugier und Dankbarkeit für Gesundheit die bis zur Sense verbleibende Zeit lebenswert machen. 1950 in Deutschland geboren. Sie ist Germanistin, Journalistin, Wirtin, Lehrerin, Schriftstellerin, Übersetzerin, Radiostimme, Literaturbesessene. Nach 20 Jahren Deutschland, zehn Jahren Schweden, 30 Jahren Portugal, lebt sie seit 2012 wieder in ihrer Wahlheimat Schweden (Blentarp), organisiert Kulturreisen und veranstaltet internationale Autorentreffen in Irland und online. Außerdem hält sie als Enkeltochter des Hitler-Attentäters Erich Fellgiebel Vorträge über den deutschen Widerstand im „Dritten Reich“.
Sigrid Grajek (Moderation): Ist singende Schauspielerin, Kabarettistin und Moderatorin. Seit Mitte der 1980er-Jahre war sie u.a. an Produktionen in der Theatermanufaktur Berlin, dem Stadttheater Bremerhaven, den Berliner Jedermann-Festspielen und bei Off-Produktionen beteiligt. Mitte der 1990er wechselte sie ins Kabarett „Berliner Brett’l“ und verschrieb sich dem traditionellen Berliner Lied und den Chansons der 1920er-Jahre. Seit Schließung des Hauses 2012 ist sie mit wechselnden Pianistinnen/Pianisten freischaffend in Deutschland unterwegs. Mit ihrer musikalischen Biografie „Claire Waldoff: Ich will aber gerade vom Leben singen…“ erinnert sie an die große Berliner Volkskünstlerin. In ihrer musikalisch-literarischen Collage „BERLIN: Die 1920er – Eine Stadt im Taumel“ beleuchtet sie seit 2020 mit historischen Texten und Liedern die Schattenseiten der „Goldenen Zwanziger Jahre“. In ihrer Spurensuche auf dem Minenfeld der Sprache „Aufgestanden ist er, welcher lange schlief…“ widmet sie sich Texten und Liedern aus und vor dem Ersten Weltkrieg. www.sigridgrajek.de(link is external)
Elke Hübener-Lipkau: Nach Kindheit in Görlitz an der Neiße, Soziologie-Diplom (Humboldt-Uni Berlin) an der Spree, Familiengründung in Potsdam an der Havel, lebt sie heute in einem kleinen Dorf an der Nuthe, mit vielen Tieren und großem Garten. Sie engagierte sich ehrenamtlich in der Leseförderung von Grundschülern, leitet eine inklusive Gruppe für Kreatives Schreiben am Haus der Begegnung in der Waldstadt, ist u.a. Mitglied des Schriftstellerverbandes und der GEDOK Brandenburg, der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik und Vorstandsmitglied der Autorenvereinigung Literaturkollegium Brandenburg e.V. Veröffentlichungen in etlichen Anthologien sowie in eigenen Lyrikbänden und Kinderbüchern. Mehrfache Preisträgerin bei Lyrikwettbewerben in Potsdam und Nuthetal.
Katja Hübner: Wuchs in Ost-Berlin und Moskau auf. Sie studierte Russisch, Polnisch und Englisch und arbeitete nach einem Volontariat als freie Journalistin für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, darunter TAZ, Tagesspiegel, FFdabei und Leica Fotografie International.
Renate Koßmann (Fotografin): Geboren in Weimar, gelernte Kellnerin, Friedhofsgärtnerin, Orthopädiefachkraft, Mitbegründerin der Glücklichen Arbeitslosen, von VEB Party und SKLAVENMarkt, Meisterschülerin bei Arno Fischer. Heute lebend als freie Fotografin, Fotoredakteurin und ArtJournalistin.
Isabel Neuenfeldt (Musik): Ist Sängerin, Akkordeonistin und Schauspielerin. Die Kunst der Schauspielerei hat sie in Rostock studiert und im Anschluss das Aufbaustudium Popularmusik an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg im Fach Chanson absolviert. Seit 1994 lebt sie als freischaffende Künstlerin in Berlin. Nach Theater- und Film-Engagements hat sie 1997 ihr erstes musikalisch-theatralisches Solo-Programm auf die Bühne gebracht. Das Akkordeon, das ihr zur Jahrtausendwende in die Arme fiel, hat ihrem Weg eine ganz neue Wendung gegeben. Es ist schnell zu ihrem ständigen Begleiter geworden und legt einen wunderbaren Klangteppich unter ihre Stimme. Es kann einfach atmen oder aber von Bach bis zu den Bee Gees wirklich alles begleiten. Diese Fähigkeit setzt Isabel Neuenfeldt seit 2005 auf den Friedhöfen dieser Stadt ein. Sie spielt und singt auf Trauerfeiern die Lieblingslieder der Verstorbenen. Ohne Urteil und voller Hingabe. Zu jedem auf diese Weise in ihr mannigfaltiges Repertoire gelangten Lied gibt es eine ganz persönliche Geschichte. Jedes dieser Lieder ist inzwischen eine Art akustischer Grabstein. Ergänzend zur musikalischen Gestaltung der Trauerfeiern hält Isabel Neuenfeldt seit 2005 auch ganz persönliche Reden zum Abschied in diesem Rahmen. Ein Buch mit diesen anrührenden und mitunter zum Schmunzeln anregenden Geschichten ist in Arbeit.
Sowie:
Ab unter die Erde (Maria Kauffmann & Robert Freitag): Ein Mensch ist so viel mehr als Trauer und weinen. Natürlich gehört auch das zum Abschied, aber eben nicht nur. Das Problem, das wir in der heutigen Bestattungsbranche sehen ist, dass sich die derzeitigen Abschiedsrituale aber nur darauf konzentrieren. Dabei rückt das Leben des Menschen oft in den Hintergrund. Genau das wollen wir ändern. Wir wollen das Leben der Person feiern. Wir haben uns das Ziel gesetzt besondere Beisetzungen mit einzigartigen Trauerfeiern zu organisieren. Bei der Planung und Durchführung dieser individuellen Abschiedspartys und Beerdigungen steht dabei immer die verstorbene Person im Mittelpunkt. Art und Ort der Bestattung sowie der Abschiedsparty selbst werden entsprechend der Interessen und Leid