Die Autoren des Bandes 'Aus Farbstürzen'
Frederik Bösing
Danielle Bullermann
Pia Haskamp
Katarina Klein
Thi Quynh Anh Nguyen
Antonia Uptmoor
Lina Vaske
Maren Wegmann
Aus Farbstürzen
mit Grafiken von
Thi Quynh Anh Nguyen
und Ngoc Nguyen
Geest-Verlag, Vechta-Langförden 2015
ISBN 978-3-86685-502-1, ca. 230 S
Willkommen unter der Brücke
Man nehme eine Handvoll Freaks und taube Nüsse an einem Freitagnachmittag, direkt nach der Schule, stecke sie in einen Raum und bringe sie dazu zu schreiben.
Was dabei rauskommt, überrascht die meisten. Sogar so, dass es wert ist, daraus ein Buch zu machen (welches Sie gerade in der Hand halten, mal so ganz nebenbei). Vielleicht lohnt es sich, etwas über diese Menschen zu sagen. Um es kurz zu machen: Stellen Sie sich mal bitte eine etwas realistischere Version von „The Breakfastclub“ vor …
Und Sie sehen ihn schon an der Wand lehnen, den einzigen Jungen in der Gruppe. Mit seinen weiten, gemütlichen Hosen und den bunt gefärbten Haaren. Wer hätte gedacht, dass Frederik Bösing, der am liebsten seine Freizeit mit Festivals und Musik rumschlägt, nicht nur ein Rebell und damit ‚Lehrerliebling‘ (lassen Sie hier eine Pause für ein Husten) schlechthin ist, sondern auch politisch engagiert und überzeugter Veganer? Was sich jedenfalls in seinen langen, philosophischen Texten zeigt, die sich meistens rund ums Thema Beziehungen drehen und an besagtem Freitagnachmittag entstehen, ist ein Jemand, der sich was traut. Auch wenn es darum geht, nach dem Abi ein Jahr quer durch sämtliche Kontinente der Welt zu cruisen und das ganz ohne Geld!
Einer ist eben immer anders. Das kann Danielle Bullermann nur bestätigen, ohne dabei von ihrem Bildschirm aufzusehen, denn es war doch schon immer so, dass ihr die besten Ideen durch Videospiele wie Assassins Creed kamen. Doch was eigentlich hinter ihren düsteren Prosatexten mit getarnten Bibelbezügen steckt (Herr Abel sei Dank für den Reli‐LK), ist die grenzenlose Fantasie einer verantwortungsbewussten Jahrgangsmutti, die es tatsächlich darauf abgesehen hat, nach dem Abi Altersmanagement zu studieren! Und wenn sie nicht gerade die verantwortungsbewusste Nicht‐Trinkerin ist, die ihren betrunkenen Freundinnen beim Kotzen gerne die Haare hält, dann haut sie gerne mal auf die Saiten ihrer Gitarre. Und das ist bei Weitem nicht alles! Man stelle sich nun eine
Art Prom Queen in genau diesem Raum an genau diesem Freitagnachmittag vor. Dann sitzt da wohl Pia Haskamp. Die Beine elegant übereinandergeschlagen. Wie Arsch auf Eimer passt sie in das Image eines It‐Girls der High Society. Wenn sie nicht gerade auf einer Party ist, sammelt die modebewusste Brünette Schuhe, macht Fotos oder spielt mit ihrem Hund Maxi. Überzeugt davon, Journalistin zu werden, setzt sie den Stift aufs Papier, und was dabei entsteht, sind meistens kurze verträumte Texte, die sich mit ihren starken Metaphern einprägen und nicht so leicht vergessen lassen.
Genauso wenig vergessen lassen sich die lyrischen LSD‐Fahrten von Katarina Klein. Der (in der Tat) kleinen Russin, die nicht nur für kulturelle, sondern auch für literarische Vielfalt sorgt. Mit den Kopfhörern im Ohr fasst sie ihre Vorliebe für Musik in Lyrik und Prosa, die sie bis zum literarischen Nirwana überarbeitet, damit sie endlich in Ruhe einschlafen kann. Auch wenn sie ab und an mit ihrem gesunden Ernährungsstil und den Gesundheitstipps für manches Augenverdrehen sorgt, möchte sie nach ihrem Psychologiestudium in Zukunft gerne allerlei Menschen helfen.
Vielleicht gelingt es ihr ja dann endlich, die komplexen Prozesse von Thi Quynh Anh Nguyens Dickschädel zu begreifen. „Mit der Emotionalen Tiefe eines Fischbeckens“ ist sie nämlich die aufgedrehte, kleine Asiatin, die ihre lyrischen Kurzprosa Texte gerne mit starken Metaphern ausschmückt. Auch wenn die Texte des fleißigen Nerds gerade so vor Perfektionismus sprießen sollte sie das Wort „Pünktlichkeit“ lieber noch einmal im Lexikon nachschlagen. Nicht zu vergessen ihr ausgeprägtes „Assoziationsvermögen“, welches ihr erlaubt „Braunes Wasser“ in erster Linie mit Gemüsebrühe zu assoziieren (Nun mal ehrlich, woran denken Sie als erstes, wenn sie „BraunesWasser“ hören? Denken Sie drüber nach).
„Scheiße!“, ist das, was Antonia Uptmoor jetzt sagen würde, so wie sie es ganz schön oft tut, wenn sie denn nicht gerade dabei ist, breit zu grinsen und wie verrückt zu winken. Hinter dem Grobmotoriker der Gruppe steckt ein aufgeweckter Sonnenschein, der ein ganzes Jahr lang das Vergnügen hatte, in Ecuador zu wohnen. Dabei wollte sie doch am liebsten nach Hogwarts, um dort weiterhin ihre kurzen Texte zu schreiben, die dem Leser bis ins Rückenmark gehen. Neben ihrem Dasein als junge Autorin der gehobenen Mittelschicht (umgangssprachlich nennt man es auch: reich) möchte die große Blondine gerne in die Fußstapfen ihrer Mama treten und nach ihrem FSJ ebenfalls Medizin studieren.
Genauso wenig wie Antonia vertritt auch Lina Vaske die Klischees der blöden Blondinen, denn der blonde Lockenkopf ist eine beliebte Sportskanone, die sich in ihrer Freizeit gerne mit Partys und Bällen vergnügt, falls sie denn nicht gerade auf einem Pferd sitzt und eine Sportart praktiziert, die sich Voltigieren nennt. Oder auf dem Feld herumtollt, wie das die Kinder vom Land ja für gewöhnlich so tun. Dabei ist sie sehr sozial engagiert (auch wenn sie sich ab und an mit Frederik in die Haare kriegt) und ist in der Schülervertretung tätig, um sich schon einmal etwas auf die Zukunft als Eventmanagerin vorzubereiten.
Wenn Gegensätze sich anziehen, dann ist Maren Wegmann wohl der Gegensatz aller Gegensätze. Wer denkt denn auch, dass hinter den düsteren Worten Marens, die wie aus einem Hitchcock‐Streifen entsprungen scheinen, eigentlich das liebe Nesthäkchen steckt? Auch wenn der Alltag in Bakum‐City doch recht beschaulich ist, sind ihre kurzen Prosatexte meist voll von Mord und Totschlag. Und das Ganze, obwohl sie doch eigentlich als Rettungsschwimmerin viel lieber Menschenleben rettet! Ob es der Einfluss ihrer Musikvorliebe Heavy Metal ist? Man weiß es nicht, fest steht jedoch, dass die Jüngste der Gruppe lieber zu ihrer Posaune greift statt zur E-Gitarre.
Aber nun von der Realität zurück zum Hollywood‐Streifen …