Heute Schreibprojekt mit Pestalozzischule und Gymnasium Brake
4 Schreibaufgaben stehen heute an für alle in fiktiven Rollen schreibenden Jugendlichen bei unserem gemeinsamen Schreibprojekt über das Leben des jüdischen Mädchens Esther in der Zeit des Faschismus.
1. Aufgabe
Die älteren Jungen von euch (Friedrich, Hartmut, Erich, Peter, Gerhart, Frank, Franz) werden zur Musterung in das Kreiswehrersatzamt Brake einbestellt. Jeder von ihnen erhält anschließend den Musterungsbescheid. Das heißt, den Bescheid darüber, was mit ihnen später als Soldat passiert.
Musterungsbescheid
Friedrich
Wird als tauglich gemustert, wird vorgeschlagen für die Waffen-SS
Hartmut
Wird als tauglich gemustert, soll als Soldat in die Marine
Erich
Untauglich wegen Hohlkreuz, wird ausgemustert
Gerhart
Wird als tauglich gemustert, soll zur Luftwaffe
Peter
Untauglich wegen Hohlfüßen, wird ausgemustert
Frank
Untauglich wegen eines Herzfehlers, wird ausgemustert
Franz
Wird tauglich gemustert, soll zu den Panzergrenadieren
Aufgabe für die Mädchen: 1936 wurde mit dem Gesetz über die HJ-Mitgliedschaft die Mitgliedschaft in der HJ bzw. dem BDM faktisch Pflicht. In einer Versammlung auf dem Schulhof macht der Schulleiter allen Schülern diese Pflicht klar. In einem Gespräch mit älteren Führerinnen aus dem Bereich des BDM wird den einzelnen Mädchen aus der Klasse gesagt, was man von ihnen erwartet. Im Einzelnen bekommen mitgeteilt:
Inge soll demnächst eine Gruppe jüngerer Mädchen im BDM übernehmen und später einmal Karriere machen.
Käte sagt man, sie habe, obwohl sie Hilfsschülerin wäre, bei den Gruppenstunden des BDM zu erscheinen. Man müsste überlegen, was mit ihr passiert.
Elisabeth
Auch von ihr erwartet man, dass sie in Uniform zur Gruppenstunde kommt, sie soll die Völkerballmannschaft verstärken.
Hildegard soll die Leitung der BDM-Gruppe in Brake sofort übernehmen. Bedingung ist allerdings, dass sie sich in Zukunft gegenüber Friederike etwas distanziert verhält.
Friederike wird gesagt, dass man von ihr erwartet, dass sie zu den Gruppenstunden kommt. Man würde sie dort gnädigerweise aufnehmen. Man lässt Friederike spüren, dass die Nazis etwas gegen ihren Vater haben, der sich als Werftbesitzer weigert, Mitglied in der NSDAP zu sein.
Karla wird angehalten, in Uniform zur Gruppenstunde zu erscheinen.
Marlies soll Schulungsleiterin beim BDM werden, das heißt, sie soll die Mädchen in der Ideologie der Nazis unterweisen.
Esther wird natürlich nicht zu einem Gespräch eingeladen. Esther sitzt mit ihren Eltern am Abendbrottisch, als plötzlich ein Pflasterstein durch das Fenster fliegt und eine Gruppe von jüngeren Männern vor dem Haus schreit: „Juden raus aus Brake!“
Was fühlt sie und was macht sie? Sie bittet Marlies um Hilfe – um welche?
2. Aufgabe
Die ganzen Jugendlichen sind im August 1936 zu einem Filmnachmittag eingeladen, selbst Esther darf ins Kino. Alle Jugendlichen freuen sich darüber, können sie sich doch schließlich mit Freund/Freundin in der Dunkelheit näherkommen. Außerdem gibt es Besonderes zu sehen: Die Wochenschau bringt Ausschnitte mit den größten Erfolgen deutscher Sportler auf den Olympischen Spielen in Berlin. Natürlich auch, wie sie vom Führer geehrt werden. Nach der Wochenschau gibt es die Komödie ‚Der Himmel auf Erden’ mit Heinz Rühmann zu sehen. Was denkt ihr, was fühlt ihr, was macht ihr?
3. Aufgabe
Kurz vor den Sommerferien 1936 muss Esther zum Schulleiter. In einem kurzen Gespräch teilt ihr dieser mit, dass sie ab sofort wegen ihres jüdischen Glaubens nicht mehr an der Schule erwünscht sei. Ohne noch einmal in die Klasse zurückzukehren (ihre Schultasche verbleibt in der Klasse) verlässt sie das Schulgelände und geht allein in den Stadtpark. Was denkt Esther und was sind ihre Gefühle?
Aufgabe für alle: Euer Klassenlehrer kommt und sagt: „Esther darf ab sofort nicht wieder in die Schule. Sie wird auch nicht wiederkommen.“ Sollte sie diesen Versuch machen, sei er sofort zu unterrichten. Was denkt/fühlt/macht ihr?
4. Aufgabe
Peter besucht die Hilfsschule, da er große Lernschwierigkeiten hat. Mit seinen Eltern erhält er 1936 eine Woche nach Esthers Schulverweis einen Brief, in dem steht, dass er sich wegen seiner verminderten geistigen Fähigkeiten einem Amtsarzt im Landeskrankenhaus Wehnen vorstellen müsse.
Nach einer seltsamen Untersuchung wird ihm und den Eltern mitgeteilt, dass er nach den geltenden Gesetzen sterilisiert werden muss, damit er keinen erbkranken Nachwuchs zeugen kann. Wenige Tage später wird die Sterilisation im Braker Krankenhaus durchgeführt. Das bleibt nicht unentdeckt, die Sterilisation spricht sich in Brake und auch in der Klasse herum. Wie reagiert ihr?