Gedicht des Tages

Bärbel Derhade - Im Rad der Zeit (Gedicht des Tages)


Wenden Ein Lesebuch für die Wesermarsch. Hrsg. von Dörte Spiekermann und Reinhard Rakow



 

Im Rad der Zeit nach Wegen suchen
Vision im Blick zum Horizont
Welch’ Ideale, Ziele, Wünsche
drängen Menschenkinder an die Front?

Wenn Obrigkeiten Träume stricken
für’s Völker-Marionettenspiel
und ideologische Verführer
die Massen hetzen auf ein Ziel.

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Karin Flörsheim - Meine Seele möchte wandern (Gedicht des Tages)

Meine Seele möchte wandern

Aus dem Radio
Violinenklänge
Schon am Morgen
Meine Seele
Möchte wandern

In der Zeitung
Zu den Klängen
Von Chopin
Eine Milliarde
Menschen hungern

Mein Traumblick
Wird Todesmaske
Schwarzrot
Unfassbar
Diese Zahl

Meine Seele
Möchte wandern
Doch wird gebunden
In das Elend
Dieser Welt

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Gülay Caglayan - Brot und Wasser (Gedicht des Tages)

Verwunde mich nicht mit deinen Waffen
Bin ohnehin ohne Schild
Nehme sie auf mich meine Schuld
Doch sah ich sie zu spät
Man erntet eben was man sät

Einen Mangel an Liebe, kann man nicht durch Bestreben beheben
Manchmal braucht man eben nicht reden
Das Herz kennt die Sprache, die man spricht
Auch, wenn es weh tut und sticht

Ist der Schmerz doch ein bittersüßer
Leben braucht aber mehr als nur Brot&Wasser
Die Erinnerungen sind Fluch oder Heil
Und die Wunden werden nicht durch die Zeit geheilt

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Christine Optenplatz - Brunder und Schwester (Gedicht des Tages am 20. Oktober)

Download: Audio icon Optenplatz.mp3


Christine Optenplatz,
Bruder und Schwester

Und wenn du nicht da wärest,
wie wäre es dann?
Wenn ich dich nicht kennen würde,
wie finge ich an?

Mit wem würde ich austauschen
Freude, Kummer und Glück?
Hineinleben in den Tag,
vertraut jedes Stück.

Mit wem würde ich zanken
und diskutieren?
Mit wem würde ich toben,
auf allen vieren?

Herumtollen, albern sein,
brauch mich nicht zu verstellen.
Ich spiel mit dir Kamel, Pferd,

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Herbert Mannel: Ein stilles Spiel (Gedicht des Tages)

Herbert Mannel
Ein stilles Spiel

 

Ein stilles Leben,
farbloses stilles Leben.
Sonne scheint ausgelöscht,
Schatten durchwandern den Raum.

Da sitzen wir
und trinken den blutigen Kaffee,
schwarz muss er sein, schön schwarz.
Eingesperrt in unserer Welt, schauen wir
nicht mal mehr aus dem Fenster,
schauen lieber den Porno im TV.

Dein Jammern überall,
doch das Rauschen des Meeres
hörst du nicht
in diesem Überlebensspiel
mit gefühllosen Akteuren.
Der Käfig unseres Lebens.

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Safinaz Hallioglu - Fremd und doch daheim (Gedicht des Tages)

Fremd und doch daheim

In Mamas Bauch und davor
War ich daheim
Als Baby war ich überall fremd
Wo ich die Sprache nicht verstand
Als junger Mensch war ich überall fremd
Wo ich kein Buch zum Lesen fand
Als Ärztin war ich überall fremd
Wo ich keine Patienten sah
Als Mutter war ich überall fremd
Wo ich keine Kinder hatte
Jetzt habe ich alle meine Rollen vereint
Und bin ein Menschenkind
Als Menschenkind bin ich daheim
Überall wo ich ein Menschenherz erkenne

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