Gedicht des Tages

Dieter Radtke - Bei Tagesanbruch (Gedicht des Tages)

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Dieter Radtke

Bei Tagesanbruch

Morgens    
Eine Hand auf meinem Rücken
Wir – zwei balzende Vögel
Mit aufgerissenen Augen

Im Herzen der tägliche Terror
Arbeit – um dem Sinnlosen
Etwas Sinn einzuhauchen
Und dann Brot und dann Spiele

Wir sanken in die Nacht
Als wollte sie nie enden
Aber wir sind aufgewacht –
Morgens

Die Schlagzeilen sind groß –
Bald wird jeder 100 Jahre alt –
Aber vorher richten wir
Die Welt zugrunde -

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Elisabeth Lichter - Spuren (Gedicht des Tages)


Spuren

Spuren wenn man sie sucht
das Geheimnis der Welt
eine Silbe das Wort

mit Hoffen und Fürchten beschwert
von dem Gang der Zeiten auf weißer Wand
das Wort am Ende des Gastmahls

Wie im Nachtflug die erleuchtete
Stadt taucht auf entschwindet
wieder das Licht in der Dunkelheit

Mehr kommt uns nicht zu
so schwach unsere Augen

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Anniket Khatri - Elfenbeine in den Ohren (Jugendliche melden sich zu Wort)



Alle Menschen werden
zwei Elfenbeine
in ihren Ohren haben,
auf ihren Händen dicke Brüste.
Auf der Stirn wird ihnen
noch eine Nase wachsen,

Das Geschlecht wird
bei den Männern länger und
bei den Frauen flacher.
Die Beine werden kürzer.
Schließlich werden alle Menschen
behaart sein und sich
wie Affen entwickeln.
Sie werden von Tag zu Tag
kleiner werden und
ihr Rücken wird
wie ein Bogen sein.

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Aribert E. - So sieht der Sommer aus (Gedicht des Tages)

Aribert E.

so sieht der sommer aus

wie die ertragbarkeit der beginnenden nacht
wie die schwüle um die betten
wie der ruf der kühle früh am morgen
wie eiscreme
und alle drinks der welt

so sieht der sommer aus

wie fahrräder und hügelland
wie weiter felder flur
wie bier in trachtengärten
wie das wimmeln vor cafés
und der duft vollbrachten blühens

so sieht der sommer aus

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Frauke Baldrich Brümmer - das wandern (Gedicht des Tages)

Baldrich-Brümmer,Frauke: wörtlich bestäubt

das wandern

 

ich hab keine müllerslust

ich hab wunde schuh und

die bäume schlagen

mich aus

 

der fröhliche landmann

ist schlafen gegangen

mit einer nacktschnecke

aus nachbars gärtin

 

ein schreberzwerg mit

türkenstern und zwiebelmütze

ertrinkt am brunnen vor

dem tode

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Annika Conrad - die andere Welt (Jugendliche melden sich zu Wort)

die andere welt

du stehst auf und
guckst aus dem fenster
alles ist so anders
draußen und drinnen
nein
es ist still
die sonne geht auf und
du schaust in den spiegel
nein
du bist anders

du musst los
nicht zur schule
nein
etwas neues
wartet auf dich
etwas fremdes
nein
und du merkst
es ist morgen
jetzt

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Elisabeth Lichter - Im Flüchtigen (Gedicht des Tages)


Im Flüchtigen

Neben dem Mann
angeleint mit gesenktem Kopf
trottet der Hund

Befreit das Tier
im brackigen Wasser ein Bad
Spuren setzen die Pfoten
deutlich dann schwach dann nicht mehr

Die Fährte verblasst
verdunstet das Zeichen
ein Hund von dort lief er
wohin

Im Flüchtigen eine Berührung
Spuren dass sie vergehen
sie waren sie sind
auf dem Weg

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