Gedicht des Tages

Manfred Schwab - Utopieverbot (Gedicht des Tages)

Utopie-Verbot


Als es nur den nackten kalten
Kapitalismus gab
ach wie hofften da die Menschen
auf den wärmenden Mantel des Sozialismus

Als sie den zerlumpten Mantel
des bürokratischen Sozialismus sahen
ach wie hofften da die Menschen
auf den herausgeputzten Kapitalismus

Als der Staatssozialismus eines Tages
seine reale Existenz aufgab
und der Kapitalismus
die Weltherrschaft antrat
wie fuhr da die Hoffnung von Generationen
ach ins finstere Grab

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Pia Golanowsky - Wer hat uns zu denen gemacht, die wir jetzt sind? (Jugendliche melden sich zu Wort)

Wer hat uns zu denen gemacht, die wir jetzt sind?
Pia Golanowsky, Damme

War es der liebe Herr Schiller,
oder doch der gute, alte Goethe?
Waren es die Prinzen mit „Alles nur geklaut"
oder doch die Nachbarskatze, die vor dem Haus miaut?
Waren es schreiende Fußballfans in einem Stadion,
oder nur ein kleiner Vogel, der fröhlich sein Lied trillert?
Warst es sogar du,
oder war es vielleicht auch ich?
Wir alle waren es und auch nicht!
Denn es war das grüne Wesen,

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Manfred Schwab - Holunderduft (Gedicht des Tages)


Manfred Schwab
HolunderDuft

 

HolunderDuft

Missmutig fahr ich der Stadt entgegen
Die Scheibenwischer duellieren sich
mit dem Landregen

Im Lodenmantel, knöchellang
kommt mir dieses Mädchen entgegen
schubst lächelnd sein helles Gesicht
in den Regen

Woher der plötzliche
Holunderduft, woher
meine schmerzliche Freude?
 

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Pablo Neruda - Ostseeruinen (autorisierte Übersetzung aus dem chilenischen Spanisch von Heinz Fischer, München) / Gedicht des Ta

Pablo Neruda
Ostseeruinen

 

 

Ostsee-Ruinen

Danzig, vom Krieg zersiebt,
zerrissene Rose -
wie ein Gespenst unter Gespenstern,
zwischen dem Meergeruch
und dem hohen hellen Himmel,
zwischen orangesilbernen Trümmern,
ging ich durch deine Ruinen.
Der Nebel drang mit mir ein,
die eisige Schwade,
und im Herumirren
entwirrte ich die Straßen
ohne Häuser und Menschen.

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Jacek T. Zielinski - Der Fremde (Gedicht des Tages)

Zielinski, Jacek T. - Mein Zahir. Gedichte

DER FREMDE

Als Fremder erwache ich auf mir
gut bekannten Planeten
zwischen dem Geräusch der Milchflaschen
und dem Schreien der Nachbarn.
Die Hunde bellen, die Betten schwitzen,
Fabriken schmeißen den Rest
nächtlicher Schichten heraus.

Ich liege im Weiß der Bettwäsche,
als wäre ich eine Braut,
Sklavin der Vernunft,
älter als Liebe.

Ich bin abwesend.

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Marianne Pumb - Steinchen schmeißen (in deutscher und türkischer Sprtache - Gedicht des Tages am 24.April)

Marianne Pumb
Steinchenschmeißen

Nur so zum Spaß
spielen wir dieses Spiel.

Formen unsere Worte
zu Steinchen
und zielen aufeinander.

Aus Steinchen werden
Steine, Felsbrocken ...

Eine Stunde Ehrlichkeit,
wer trifft am besten?

Nur so
zum Spaß –
versteht sich.

Nur so zum Spaß
fühle ich mich getroffen
mitten in den Leib
und Blut tropft
klebrig und warm
in deinen lächelnden Mund.
 

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Manfred Schwab Nächtliche Bahnfahrt nach Polen (Gedicht des Tages)



 

Manfred Schwab

Nächtliche Bahnfahrt nach Polen
(für Krystyna Szlaga)

Die Verladung in Nürnberg klappt reibungslos
Mit dreihundert Leuten vollgestopft
Männern Frauen Kindern
verläßt der Sonderzug pünktlich
die Reichsparteitagsstadt

Irgendwann in der Nacht
werden die Pässe eingesammelt
irgendwann in der Nacht
Grenzen passiert
Neben mir der fremde Mann
röchelt und stöhnt im Schlaf
Die Kinder atmen ruhig
Irgendwann durchkämmen
Uniformierte den Zug

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