Gedicht des Tages

Elisabeth Lichter - Spuren (Gedicht des Tages)


Spuren

Spuren wenn man sie sucht
das Geheimnis der Welt
eine Silbe das Wort

mit Hoffen und Fürchten beschwert
von dem Gang der Zeiten auf weißer Wand
das Wort am Ende des Gastmahls

Wie im Nachtflug die erleuchtete
Stadt taucht auf entschwindet
wieder das Licht in der Dunkelheit

Mehr kommt uns nicht zu
so schwach unsere Augen

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Anniket Khatri - Elfenbeine in den Ohren (Jugendliche melden sich zu Wort)



Alle Menschen werden
zwei Elfenbeine
in ihren Ohren haben,
auf ihren Händen dicke Brüste.
Auf der Stirn wird ihnen
noch eine Nase wachsen,

Das Geschlecht wird
bei den Männern länger und
bei den Frauen flacher.
Die Beine werden kürzer.
Schließlich werden alle Menschen
behaart sein und sich
wie Affen entwickeln.
Sie werden von Tag zu Tag
kleiner werden und
ihr Rücken wird
wie ein Bogen sein.

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Aribert E. - So sieht der Sommer aus (Gedicht des Tages)

Aribert E.

so sieht der sommer aus

wie die ertragbarkeit der beginnenden nacht
wie die schwüle um die betten
wie der ruf der kühle früh am morgen
wie eiscreme
und alle drinks der welt

so sieht der sommer aus

wie fahrräder und hügelland
wie weiter felder flur
wie bier in trachtengärten
wie das wimmeln vor cafés
und der duft vollbrachten blühens

so sieht der sommer aus

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Annika Conrad - die andere Welt (Jugendliche melden sich zu Wort)

die andere welt

du stehst auf und
guckst aus dem fenster
alles ist so anders
draußen und drinnen
nein
es ist still
die sonne geht auf und
du schaust in den spiegel
nein
du bist anders

du musst los
nicht zur schule
nein
etwas neues
wartet auf dich
etwas fremdes
nein
und du merkst
es ist morgen
jetzt

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Elisabeth Lichter - Im Flüchtigen (Gedicht des Tages)


Im Flüchtigen

Neben dem Mann
angeleint mit gesenktem Kopf
trottet der Hund

Befreit das Tier
im brackigen Wasser ein Bad
Spuren setzen die Pfoten
deutlich dann schwach dann nicht mehr

Die Fährte verblasst
verdunstet das Zeichen
ein Hund von dort lief er
wohin

Im Flüchtigen eine Berührung
Spuren dass sie vergehen
sie waren sie sind
auf dem Weg

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Gerhard Butke - Gartentheologie (Gedicht des Tages)

Gartentheologie

Nach Eden
gen Osten hin
der Garten
aller Gärten
bewässert von
Euphrat und Tigris
mit Bäumen
und Blumen
und Samen die
Früchte bringen
und grünem Kraut
im Überfluss

Nach Gethsemane
wo Oliven wachsen
Ort der Stille
und des tiefen Schlafs
wo EINER nur wacht

Und darüber hinaus
nach Golgatha
an der Stätte
wo ER gekreuzigt wurde
ein Garten
ein leeres Grab
wo der Mandelzweig blüht

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Christl Schmidt-Holländer - Handgehäkelte Pension (Gedicht des Tages)

Handgehäkelte Pension                                                   

Wer kann das mögen?
Die Spitzendeckchen –
die Trockenblumen –  all überall –
bunte Gartenzwerge groß und klein!
Solche Gemütlichkeit
nimmt mir die Luft.
Ich will atmen.
Aber hier steht die Häkelfrau.
Erzählt von Krebs,
Tochtergeschwüren und Enkelsorgen.

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