Gedicht des Tages

Zielinski, Jacek T - Der Fremde (Gedicht des Tages)

Zielinski, Jacek T. - Mein Zahir. Gedichte

DER FREMDE

Als Fremder erwache ich auf mir
gut bekannten Planeten
zwischen dem Geräusch der Milchflaschen
und dem Schreien der Nachbarn.
Die Hunde bellen, die Betten schwitzen,
Fabriken schmeißen den Rest
nächtlicher Schichten heraus.

Ich liege im Weiß der Bettwäsche,
als wäre ich eine Braut,
Sklavin der Vernunft,
älter als Liebe.

Ich bin abwesend.

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joachim schlichte - gedanke für alle: (Gedicht des Tages - gelesen vom Autor)

gedanke für alle :

eingenitiert in jeden linken unterarm –
oder war's der rechte ?

verliert sehnsucht sich –
jede .

kommt geilen geiz glaubend  –
um .

durchleuchtbar bis hinter jeglichen strich  –
code :

des nicht ausschaltbaren
noch flacheren bildschirms !

ihren fingerabdruck geben sie bitte – in zimmer 1984 ab .

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ulrike kleinert - feuer an den schuhen (Gedicht des Tages)

Feuer an den Schuhen

Ihre Schuhe hochhackig,
die Füße wie im Tanz,
bis zu den Fesseln der lange Rock,
das Haar verhüllt
die Laute ihrer Sprache klopfen die Luft,
schmal schwebt ihr Lächeln
durch die Gänge.
Edibe trägt Feuer
an den Schuhen,
drei Kinder an der Hand,
ein paar Kleider, Töpfe, Tüten,
mit denen sie
von Kontinent zu Kontinent raschelt –
aus einer zerschossenen Wohnung
mit zurückgelassenen Fotos
einer gestempelten Existenz.

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Brigitte Spreitzer - Die Tore sind offen (Gedicht des Tages am 25. Januar)

Die Tore sind offen.
Die Fesseln gelöst.
Wir gehn heim.
Die Trauer hat in einer
Ritze Platz.
Die Freude reicht bis
zum Himmel.

Wir haben den Tod
überlebt.

Wir räumen auf.
Wir füttern das Kind.
Wir bestellen das Feld.
Wir singen und beten.

Wie leicht und
wie schwer es ist
unsterblich zu sein.

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Autor: 

Buch: 

Antje E. Schnabl - Glaubst du? (Gedicht des Tages)

Download: Audio icon schnabl.mp3



 

Glaubst Du ...

Glaubst du, daß die Engel
den Lichterglanz zaubern,
wenn das Dunkel den
Tag nicht freigeben will?

Glaubst du, daß die Mütter
uns Lebkuchen backen,
wenn die Felder und
Obstbäume leer sind?

Glaubst du, daß die Glocken
und Lieder erklingen,
wenn eisiger Frost
die Natur verstummen läßt?

Glaubst du, daß nicht nur ins
Kinderherz Freude dringt,
wenn bunte Gaben
von Hand zu Hand gehen?

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Safinaz Hallioglu - auge der zuneigung (Gedicht des Tages)


Auge der Zuneigung

Das Auge der Zuneigung entfernte ich eines Tages
Um ohne Hilfe die Umgebung zu schauen
Die Farben verzerrten sich, gesichtslos die Gesichter
Liebe verachtet, Güte umgekippt

Nachtigallen ohne Zunge, Mütter herzlos
Bäume ohne Ast blätterlos sah ich
Freunde, Verwandte, leiden konnte ich nicht mehr
Alle als meine Feinde empfand ich

Der Himmel auf Erden zur Hölle werdend
Was Mitleid heißt, wusste ich nicht mehr
Ekelte mich vor allem, was ich sah
Auch hören wollte ich nichts mehr

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