Gedicht des Tages

Gábor Paál - Romantik im Wandel der Zeit ... (Gedicht des Tages gelesen vom Autor)

Romantik im Wandel der Zeit

oder: 

Noch eine, diesmal wirklich kurze Geschichte von fast allem


Einst Nomade
in der Wüste:
Sieh nur hier – mein Dromedar!

Jetzt Promenade
an der Küste
Sieh nur dort – Andromeda!

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Buch: 

Elisabeth Lichter - Ein Portrait vielleicht (Gedicht des Tages)



 

EIN PORTRAIT VIELLEICHT

Die Fragen alle erlitten
die Antwort

Er allein mit eigener Schwerkraft
fremd der Raum sagt nicht
wo die Füße sich eingelassen

Eine offene Hand
nur wenig erhoben die rechte
als lade sie ein zwischen ihm
und dir diese Freiheit

In den Augen Licht
auf Wange und Stirn
noch eine Spur um den schweigenden Mund

Ein Mensch immer wieder
wählt er sich so
 

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Ulrike Kleinert - Der gelbe Rock (Gedicht des Tages)

Ulrike Kleinert
Der gelbe Rock

 

Der gelbe Rock

Der gelbe Rock
blendet den dunklen Mantel.
Sein Schlitz
gibt die atmende Haut frei,
den Geruch von Zimt
und Zitrone.

Den Mantel lang,
überm Haar das Tuch,
keine Spur Haut,
der Duft der Frau
bewahrt für zu Haus.

So kreuzen
geschlitzter Rock und langer Mantel,
werden der Jogginghose
kaum gewahr,
des federnden Turnschuhs.

Jede Frau auf ihrer Bahn.
Wie sieht sie
die andere wohl an?

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Stanislaw Wygodzki - Das Fenster

DAS FENSTER

Irgendwo ein Haus, ein Fenster und dahinter
ein Vorhang, zitternd, halb herabgerissen,
ein Schatten auf der gegenüberliegenden Wand,
und tote, hartnäckige Stille.

Der Schatten aber wie der Vorhang schwankt,
vom Wind in nebliger Dämmerung bewegt,
und wartet in der Stille bis zum Morgen
meines ungeschriebenen Briefes.

Niemandes Hand, niemandes Mund,
den Vorhang rissen Fremde nieder.
Hartnäckige Stille, leere Stube
und sonst nichts mehr.

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Buch: 

Gabor Paál - Die Blätter ziehen (Gedicht des Tages)

Paál, Gábor: Lyrik ist Logik. Gedichte aus der Wissenschaft.



 

Die Blätter ziehen

Das Wasser färbt sich
unter flüchtigem Dunst
transparent herbstlich
wie natürliche Kunst
in der gläsernen Tasse.

Zwei davon getrunken
überfällt mich Euphorie
jeder Tropfen ein Funken
so meine Theorie
von der gerbsauren Masse.

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Christl Schmidt-Holländer - Nebelwandern (Gedicht des Tages)

Nebelwandern

Ist das der Weg,
den ich kenne?
Er verliert sich,
sagt mir nicht mein Ziel.
Undurchdringliche Welt.
Weiche Watte, ohne Geräusch.
Kein Vogel,
es zittert kein Blatt.
Doch er ist es –
weiß von ihm aus besseren Tagen.

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Buch: 

Ulrike Kleinert - Die Gespenster (Gedicht des Tages)


Die Gespenster spielen auf,
ihre braunen Jacken
haben sie ausgezogen
und mit T-Shirts vertauscht.
Sie fahren keine Panzer
sondern auf der Datenautobahn,
ihre Aufmärsche zu zweit oder fünft
finden mehr am Biertisch
als in den Straßen statt.
Ihr Lachen zwischen den Zähnen
schimmert perlweiß

 
Sie heban das Gesicht
von Söhnen, Brüdern, Freunden,
Ehemännern

Viel von ihnen
schlagen nie zu.

Sie spenden nur

den Beifall.

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