Gedicht des Tages

frauke baldrich-brümmer - keine nachtmusik (Gelesen von Verena Arlinghaus)

Baldrich-Brümmer, Frauke

Baldrich-Brümmer,Frauke: wörtlich bestäubt



 

keine nachtmusik

wir kreisen die nacht ein
stecken den mond in
die tasche lügen die
sterne vom himmel
ein paar müde gewordene
wünsche pflücken wir
kurz vorm traumsuizid

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joachim schlichte - hut ab (Gedicht des Tages)

sind es die

oder

waren es die anderen ?

 

ich hingegen nie

berufend mich auf die

namen oh nein

 

da gewehre bei fuss stehen zu haben

lieb und äugele ich mit

allen menschlichen guillotinen

 

fallendes beil

fall beil

schneidend

 

kopf ab

wieviele sinds per annum ?

 

und

wir kaufen uns je

 

ein noch

größeres auto

hut ab !

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Christina Goetze - Meine Traurigkeit (Gedicht des Tages)


Goetze, Christina: Ins Wort geholt

Meine Traurigkeit
Lagert über der Stadt
Zieht die Schleier vor den Mond
Dass er ermattet
Kittet die Dächer zusammen
Zu einem Riesenschild
Und meine lieben Lieder
Wollen nicht aufsteigen
Krepieren in der Kehle
Vor dem ersten Ton

Manchmal noch zittert die Seele
Wie das Mondlicht auf dem Fluss
Draußen vor der Stadt

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Ulrike Kleinert - Die Herrin der Käse (Gedicht des Tages)

 

Die Herrin der Käse

Die Herrin der Käse
herrscht mit
einem Messer.
Sie teilt
gelbes Gold,
weißes, Kräutercreme,
Pastete,
lockt die Zungen
mit einer Messerspitze
voller Genuss.

Würziger Duft
hängt in ihren Kleidern,
die Namen der Käse
ihre Regierungserklärung,
ihre blonden Locken
über der Stirn wippen,
wenn sie die Käse wiegt.

Mit den Fingerspitzen
berührt sie das Geld,
nimmt es, schaut, wie
die Kasse es verschluckt.

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Günter Ullmann - Jugend (Gedicht des Tages)

JUGEND
In der ersten Hälfte des Jahrhunderts
tobten 2 grausame Weltkriege.
Ich hatte Glück und wurde erst 1946 geboren.
In beiden deutschen Staaten konnte man einigermaßen leben,
weit besser als in vielen anderen Teilen der Welt.
In beiden Staaten war es etwas muffig und spießig
(Beide Deutschlands waren mehr und weniger
Obrigkeitsstaaten),
und trotzdem ging es den Meisten nicht schlecht.
Im reichen Westen gab es mehr Demokratie und Freiheit.
Und für die traten wir an.

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Marianne Pumb - Nach dem Schnee (Gedicht des Tages )

Nach dem Schnee

Wenn also das eine
nicht ohne das andere zu haben ist
Leben nicht ohne Sterben
und Liebe nicht ohne Schmerz

wäre für mich
eigentlich wieder die Liebe dran
denn der Schmerz währte schon lange
unendlich lang

Doch die Liebe scheint wirrich
und findet mich nicht
seit Jahren irrt sie vermutlich umher
kehrt immer bei Freunden und Fremden ein
nur zu mir kommt sie nicht
kommt sie nicht mehr

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