Gedicht des Tages

Gabor Paál - Die Blätter ziehen (Gedicht des Tages)

Paál, Gábor: Lyrik ist Logik. Gedichte aus der Wissenschaft.



 

Die Blätter ziehen

Das Wasser färbt sich
unter flüchtigem Dunst
transparent herbstlich
wie natürliche Kunst
in der gläsernen Tasse.

Zwei davon getrunken
überfällt mich Euphorie
jeder Tropfen ein Funken
so meine Theorie
von der gerbsauren Masse.

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Ulrike Kleinert - Die Gespenster (Gedicht des Tages)


Die Gespenster spielen auf,
ihre braunen Jacken
haben sie ausgezogen
und mit T-Shirts vertauscht.
Sie fahren keine Panzer
sondern auf der Datenautobahn,
ihre Aufmärsche zu zweit oder fünft
finden mehr am Biertisch
als in den Straßen statt.
Ihr Lachen zwischen den Zähnen
schimmert perlweiß

 
Sie heban das Gesicht
von Söhnen, Brüdern, Freunden,
Ehemännern

Viel von ihnen
schlagen nie zu.

Sie spenden nur

den Beifall.

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Marianne Pumb - Ausgegangen (Gedicht des Tages)

 

 

Ausgegangen

Ich möchte ausgegangen werden
Doch wohin
Wie wird das sein dort oben
Oder nichts

Mein Leib mein Leben
Will ertötet werden
Doch ach beileibe nicht
Ich will leibhaftig sein

Und bin ich auch beleibt
Leibeigen noch dazu
Von meiner Kümmernis  
Ich möchte Ruhe finden

Möcht rastend mich erquicken
Trübseligkeit leb’ wohl
Und Not um mich herum
Lebt ab, lasst mich allein

Ich will lebendig sein

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Semra Basdemir - schwer und leicht (Kinder und Jugendliche melden sich zu Wort)



SCHWER UND LEICHT

Manchmal fühle ich
Mich einsam
Weiß nicht wohin

Bin ich hier
Hier in Deutschland
Richtig

Oder will ich zurück
In meine Heimat
Ich weiß es nicht

Das Leben in Deutschland
Es ist schwer und leicht
Ich lebe hier

Ich gehe hier
In eine Schule
Werde als Ausländerin bezeichnet

Bedeutet es
Dass ich mich
Nicht integriert habe

Ich habe hier viele Rechte
Die Frauen und Männer
Sind gleich

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Pia Golanowsky - Wer hat uns zu denen gemacht, die wir jetzt sind? (Jugendliche melden sich zu Wort)

Wer hat uns zu denen gemacht, die wir jetzt sind?
Pia Golanowsky, Damme

War es der liebe Herr Schiller,
oder doch der gute, alte Goethe?
Waren es die Prinzen mit „Alles nur geklaut"
oder doch die Nachbarskatze, die vor dem Haus miaut?
Waren es schreiende Fußballfans in einem Stadion,
oder nur ein kleiner Vogel, der fröhlich sein Lied trillert?
Warst es sogar du,
oder war es vielleicht auch ich?
Wir alle waren es und auch nicht!
Denn es war das grüne Wesen,

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Brigitte Spreitzer - Draußen ziehn vorüber (Gedicht des Tages am 30. September)

Draußen ziehn vorüber
Menschen
Zeitknoten
Ich schnür sie nicht auf
Unserland zeitlos
gleitet durch die Lande
Ich wähle ein wenig
Blau ein wenig Purpur
Gold

lass sinken
lass sinken

In einer Geste einem
Anklang einem Vogelruf
berührst du mich

Ich bring dir die Antwort heim.

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