Gedicht des Tages

Erich Pfefferlen: An gewissen Tagen (Gedicht des Tages)

Erich Pefferlen

 

An gewissen Tagen

 

 

Diese regengrauen Tage sprungvoll

übermalen, mit weichen

runden Augenpinseln

kräftig in die Farbnäpfe steigen,

aus Wiesengrün

Mohnrot und Ginstergelb

herausholen was

geht, was immer

geht

 

Kinderfroh mutiert so noch

jeder versaufende Regentag

zum Traummärchen

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Frauke Tuttlies - Rudi hat Köpfchen (Gedicht des Tages)

Rudi hat Köpfchen

Die Gesichter der Häuser,
verschlossen.
Abweisend standen sie,
eine Reihe.
Nr. 19 fiel nicht aus dem Rahmen. Und doch

schlummerte etwas hinter der stillen Fassade.

Vor dem Eingang stapelten sich Bewerber,
warteten auf die Öffnung der Pforten
zum Besichtigungstermin.
Unwillkürlich suchte ich Abstand.

Sah mich um.
Rannte zur nächsten Straßenecke, in den Blumenladen,
erstand eine Pfingstrose. „Ein Bestechungsversuch“,
die Maklerin nahm meine Rose, musterte mich.
Ich bekam die Wohnung.

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Brigitte Spreitzer - Ein Sturmstoß (Gedicht des Tages)

Ein Sturmstoß aus Nichts
lockert jäh mir den Griff
Die Hände
andrem unterstellt
als meinem Wollen
lassen los, stumm erschreckend los
Etwas
ganz anders als Denken
ganz anders
gewahrt mein Verlorensein
Versteht es in stummem Erschrecken
sich an Nichts zu halten
Weiß es ganz
Spiraliges Nebeln
in Abgrund und Grund
ganz anders als Fühlen
ganz anders
erkennt mich substanzlos Sein.

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Safinaz Hallioglu - Die Konferenz (Gedicht des Tages)

Die Konferenz

Mein Krebs und ich
Trafen uns am Konferenztisch
Um zu verhandeln
Wir zählten beide auf
Was bereits wem gehört

Dem Krebs gehörten
Eine Lunge, Leber, Darm, der ganze Bauch
Eierstöcke, eine Brust sowıeso
Die Wirbelsäule als Ganzes
Und der Knochen viele
Dazu dein Leben
Sagte mein Krebs mir

Mir gehörten nur noch
Arme, Beine, Gehirn, Herz
Und meine Seele

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Kurt Ismer - Wie hinter Nachtgärten (Gedicht des Tages)

Download: Audio icon ismerknut.mp3

Knut Ismer

Wie hinter Nachtgärten

Wenn nachts die Autos
in den Alleen schlafen,
geh’n unsre Seelen
im Traum spazieren.

Die Nachtlaternen leuchten
ihr mildes Licht ins Dunkel,
erhellen nur den Dieben
den Blick in bess’re Zeiten,
derweil die Schwärmer
ihren Leuchtturm preisen.

Die zugeschneiten Rosen
betören ihre Gäste
noch in Erinnerung,
die stillen Partys geh’n
am weiten Schienenstrang
den gleichen Weg zum Ziel.
 

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Thi Quynh Anh Nguyen - Der kahle Karl (Gedicht des Tages)

- gesprochen von der Autorin -

Einst lebte ein armer kahler Karl.
Kahl, weil er keine Haare hatte.
Arm, weil er noch jung war.
Der arme kahle Karl konnte nichts dafür.
Er war kahl. Der Arme.
Der kahle Karl war ein ganz komischer Junge.
Er spielte weder mit den anderen Kindern
Noch mit den anderen kahlen Karls,
Den alten kahlen Karls.
Karl war komisch.
Karl war kahl.
Karl blieb immer zu Hause.
Auch da spielte er nicht.

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